In seiner Forschungsoffensive Digitale Mobilität erforscht das Thüringer Innovationszentrum Mobilität (ThIMo) an der TU Ilmenau innovative Technologien für sichere, umwelt- und ressourcenschonende, effiziente, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen. Das Projekt wird vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum von 2024 bis 2028 mit rund 6,4 Millionen Euro gefördert.
Für diese Forschung spielen Fahrzeuge mit Zugriff auf Sensortechnologien, Software-Steuerung und digitale Daten von Fahrfunktionen und Umgebung eine zentrale Rolle. Das erste Forschungsfahrzeug mit autonomen Fahrfunktionen, ein VW-Minivan des Typs T7, wurde bereits 2024 im Rahmen des vorhergehenden 5G-Innovationsprojekts P:Mover in Betrieb genommen; es dient dazu, die Betriebsbereiche zu erproben, in denen automatisiertes und vernetztes Fahren (AVF) zum Einsatz kommen soll. Sensor- und Softwaredaten sind bei diesem Fahrzeug geschützt, um die Verkehrssicherheit auf öffentlichen Straßen zu jeder Zeit zu gewährleisten.
Mit den beiden neuen Level-4 tauglichen Fahrzeugen, die derzeit am ThIMo für den Forschungsbetrieb auf geschützten Testgeländen und im Reallabor Ilmenau vorbereitet werden, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Ein konventioneller PKW, hier ein batterielektrischer Kia EV6, wurde für autonome Fahrfunktionen so ertüchtigt, dass unterschiedliche Sensor- und Software-Module implementiert werden können und so ermöglichen, Algorithmen, Systeme und Betriebsarten schnell zu erproben und zu validieren („rapid prototyping“). Bei dem zweiten Neuzugang handelt es sich um einen PIX Robobus. Diese Plattform dient als Element in einer vernetzten Testkette („X-in-the-loop“) mit digitalen Zwillingen der Antriebs- und Steuerungssysteme sowie als Demonstration für die autonome Mobilität der Zukunft im ÖPNV.
Das brandneue Fahrzeug erreichte pünktlich zur Wissenschaftsnacht vom Hafen in Rotterdam aus per LKW seinen neuen Standort am ThIMo. Bei der Überführung in den Ausstellungsbereich am Bertha-Benz Bau gab sich Professor Matthias Hein, ThIMo-Direktor und Projektleiter der Forschungsoffensive Digitale Mobilität, höchst zuversichtlich: „Unsere Flotte hochautomatisierter Forschungsfahrzeuge versetzt uns nicht nur in die Lage, an der vordersten Front neuer Sensor-, Software- und Datentechnologien mitzuforschen, sondern ermöglicht auch eine hautnahe Begegnung mit der Mobilität der Zukunft im öffentlichen Personenverkehr.“
Mit der hochautomatisierten Fahrzeugflotte und seiner weiteren Forschungsinfrastruktur beteiligt sich das ThIMo am Aufbau des AVF-Kompetenzzentrums Thüringen. Ziel dieses Kompetenzzentrums ist es, automatisierte Fahrzeuge und Mobilitätsangebote unter realen Bedingungen zu erforschen, sicher in bestehende Verkehrsstrukturen zu integrieren und den Weg von den bisherigen Pilotprojekten in Richtung Regelbetrieb vorzubereiten. Koordiniert wird das Vorhaben durch die Professur Verkehrssystemplanung an der Bauhaus-Universität Weimar, einem langjährigen Forschungspartner des ThIMo. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert den Aufbau des Kompetenzzentrums im Rahmen des seit 2024 an den beiden Hochschulen laufenden Forschungsvorhabens „Mobilitätsverbund werthaltige ländliche Lebensräume – MOVEwell“ mit rund 4 Millionen Euro.
Automatisiertes und vernetztes Fahren gemäß Level 4 wird in den kommenden Jahren im großen Maßstab in den Verkehr integriert werden. Mit diesen erfolgreichen Pilotprojekten, der Entwicklung des landesweit abgestimmten integralen Taktfahrplans „Mein Thüringen-Takt“ und der Kooperation zwischen allen wichtigen Stakeholdergruppen ist der Freistaat Thüringen bestens darauf vorbereitet, sich zu einer landesweiten AVF-Modellregion zu entwickeln. Die Federführung hierfür liegt beim Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur und seinem Thüringer Mobilitätsnetzwerk.
„Das höchste Forschungsziel besteht darin, mit kompetenten Partnern und Teams neueste Technologien zu erforschen, aber noch besser ist die Möglichkeit, damit einen Beitrag zu leisten, dass neue Mobilitätsangebote entstehen, von denen die gesamte Gesellschaft profitieren kann“, so Hein.
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