Der Beirat für Luftfahrtforschung und -innovation in Europa (ACARE) stellte auf der ILA Berlin seinen Report „Fly the Green Deal“ vor. Das Papier sieht zahlreiche konkrete Schritte hin zu einer klimaneutralen Luftfahrt vor.

Normalerweise ist Rosalinde van de Vlies, Direktorin Clean Planet der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission, kein großer Fan von Visionen. Konkrete Taten seien ihr lieber. Im Fall des Reports „Fly the Green Deal – Europe’s Vision für Sustainable Aviation“, den der Beirat für Luftfahrtforschung und -innovation in Europa (ACARE) auf der ILA Berlin vorstellte, änderte sie ihre Meinung. Begeistert unterstrich sie den großen Wert des Papiers. Es gehe darin nicht nur um Klimaneutralität, sondern berücksichtige auch Faktoren wie Wettbewerb, technologische Weiterentwicklung sowie Bildung. Zudem werde der Report von einer breiten Stakeholder-Gemeinde getragen.

Unter dem Dach von ACARE sind mehr als 40 Organisationen und Verbände organisiert, darunter Vertreter der Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und der Interessengruppen wie Hersteller, Fluggesellschaften, Flughäfen, Dienstleister, Regulierungsbehörden, Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Gemeinsam mit ihnen möchte Rosalinde van de Vlies nun die Visionen für eine klimaschonende Luftfahrt in die Tat umsetzen.

Auch Dr. Anna Christmann, Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, fand positive Worte für die Publikation. Sie begrüßte, dass das Thema Nachhaltigkeit überall auf ILA Berlin präsent sei. Nun gelte es, konkrete Aktionen anzugehen wie einen einheitlichen europäischen Luftraum. Mit dem Luftfahrtforschungsprogramm LuFo Climate stelle die Bundesregierung Mittel für Entwicklung klimafreundlicher Technologien in der Luftfahrt bereit. Auch die Produktion nachhaltiger Treibstoffe für die Luftfahrt (SAF) werde in Deutschland unterstützt. Daher sei Deutschland der richtige Ort, um die ACARE-Vision vorzustellen.

Vernetzung unter den Branchen

Jean-Brice Dumont, Vorsitzender von ACARE und Executive Vice President Military Aircraft, Airbus, unterstrich die Notwendigkeit, sich mit anderen Branchen zu vernetzen. Sein Stellvertreter Bart de Vries von KLM möchte nun in den „action mode“ schalten. Auch wenn es nicht einfach sei, Flugzeuge auf nachhaltige Antriebe umzurüsten, könnten viele Dinge bereits jetzt optimiert werden, zum Beispiel beim Betrieb der Flughäfen. Ein gezieltes Monitoring müsse die Fortschritte begleiten.

Mit ihrem „Green Deal“ hat die Europäische Union ihre Nachhaltigkeitsziele deutlich verschärft und die Zeitrahmen verkürzt. Für die Luftfahrt bedeutet dies, dass die Ziele überarbeitet und umfassender und früher erreicht werden müssen als bisher geplant. Bis 2050 möchte Europa CO2-neutral werden. Deutschland will dieses Ziel schon früher erreichen.

Berlin-Brandenburg – Kompetenzregion für den Einsatz von Wasserstoff in der Luftfahrt

Die Veranstaltung im Rahmen der Aviation Future Lab Stage auf der ILA Berlin gab einen umfassenden Überblick über die aktuellen
(Forschungs-) Schwerpunkte und Entwicklungen rund um das Thema Wasserstoff in der Region Berlin-Brandenburg. Hier entstand und entsteht weiter ein für Deutschland einzigartiges Kompetenznetzwerk, für das die Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA e.V.) ein gemeinsames Dach bildet.

Die Entwicklung emissionsarmer Flugzeugantriebe, die Einführung nachhaltig erzeugter, CO2-neutraler Flugzeugkraftstoffe und die Schaffung der notwendigen Voraussetzungen für einen sicheren Einsatz von Wasserstoff an Flugplätzen sind wesentliche Ansätze, die in der Region von Forschung und Industrie ins Zentrum ihrer Entwicklungsarbeiten gerückt sind. Einen Überblick über die bereits greifbaren Ergebnisse im Rahmen der BBAA gab eingangs Prof. Dr. Andreas Timmermann, Geschäftsführender Vorstand der BBAA e.V. Die Allianz vernetzt Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aktiv miteinander und fördert und unterstützt Projektanträge. Als herausragende Beispiele für Initiativen der BBAA-Mitglieder erwähnte Timmermann den Flugzeugentwickler APUS aus Strausberg mit seinem Projekt für ein viersitziges, mit einer Brennstoffzelle betriebenes Leichtflugzeug. KIFER, das Konsortium Innovative Flugplatzstrategien für einen emissionsarmen Regionalluftverkehr ist ein Think Tank für die innovative Weiterentwicklung des regionalen Luftverkehrs: Alternative Antriebskonzepte sollen dabei durch leisen Luftverkehr neue Möglichkeiten für Regionalflugplätze schaffen. Darüber hinaus fördert BBAA auch die Fachkräfteentwicklung.

Einen speziellen Aspekt für das avisierte Kompetenznetzwerk zeichnete im Anschluss Prof. Dr. Georg Möhlenkamp von der Universität Cottbus mit seinem Projekt CHESCO (Center for Hybrid Electric Systems Cottbus), einen speziellen Campus am ehemaligen Flugplatz Cottbus. 2025 will Möhlenkamp dort mit drei neuen Gebäuden „voll operativ sein“, wobei die Forschungsarbeiten an hybrid-elektrischen Systemen in Cottbus jedoch längst begonnen haben und laufen.

ITEAL – Innovative Treibstoffe für emissionsarmen Luftverkehr ist eine weitere Initiative aus Berlin-Brandenburg, die sich die Nutzbarmachung bereits vorhandener Technologien zur Emissionsreduktion auf die Fahnen geschrieben hat: dezentrale Versorgung von Flugplätzen und Produktion synthetischer Flugkraftstoffen oder Wasserstoff sowie deren Kombination sind die angepeilten Ziele. „Damit wollen wir in Berlin-Brandenburg am Wandel der Luftfahrt hin zu emissionsarmen, klimafreundlichen Lösungen mitwirken. Unsere Flugplätze können dabei Vorbildfunktion erlangen“, sagte Norbert Gronak von aviasim UG, der ITEAL auf der Bühne präsentierte.

Zum Gesamtbild der vielfältigen Initiativen in Berlin-Brandenburg haben darüber hinaus Hugo Duchemin, Managing Director Comworxx S.A.S., Prof. Dr. Klaus Höschler vom Lehrstuhl für Flugtriebwerksdesign sowie Ralf Wagner, Bereichsleiter Schallschutz und Umwelt bei der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH.

Frische Ideen für Luft- und Raumfahrt

In Berlin entwickeln zahlreiche Start-ups neue Produkte und Technologien für die Flugindustrie. Einige stellten sich auf der ILA Berlin vor.

Laut der Umfrage unter rund 1.300 Gründer*innen ist Berlin die beste Stadt in Europa, um ein Unternehmen zu gründen. Ein dynamisches Ökosystem aus Hochschulen, Inkubatoren und Business-Netzwerken sowie gut ausgebildete Mitarbeiter*innen machen die deutsche Hauptstadt attraktiv, unterstrich die Berliner Wirtschafts- und Technologieförderung Berlin Partner auf der „Aviation Future Lab Stage“ der ILA. Sie rückte sechs Tech-Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt ins Rampenlicht.

Anhand von 20 Bildern schilderte Daniel Cracau, Managing Diector von Alpha Link, die Geschichte seines Unternehmens. 2018 stellte es sich erstmals auf der ILA am Stand der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) vor. Neben einem neuartigen Flugzeugkonzept aus mehreren unbemannten Flugzeugen entwickelte Alpha Link eine virtuelle Flugumgebung. Darin können Entwickler*innen ihre Innovationen testen.

Neurospace beschäftigt sich mit Hardware für Mond-Exkursionen. Unter anderem entwickelte es ein Konzept für Moon Rovers. Das Unternehmen kombiniert mit Unterstützung der TU und Berlin Partner wissenschaftliche Forschung mit existierender Technik. Eine Lösung für das Fliegen mit Wasserstoff hat Devacon entwickelt. So biete die Aufbewahrung in Kartuschen aus Metall viele Vorteile, zum Beispiel haben sie ein geringeres Gewicht und lassen sich schnell austauschen als andere Druckbehälter. Mit dieser Technologie ließen sich auch bestehende Flugzeuge umrüsten und klimaneutral fliegen.

Aus dem 3-D-Drucker ins All

Für die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von ESA und NASA entwickelt Tiwari Scientific Instruments in Berlin-Adlershof Teile in additiver Fertigung. Das Besondere: Während in konventionellen 3-D-Druckern vor allem Kunststoff zum Einsatz kommt, arbeitet das Unternehmen von Siddarth Tiwari mit Metall und Keramik, häufige Materialien in der Luft- und Raumfahrt, die sich auch kombinieren lassen. Auf diese Weise entstanden bereits Filter oder Wärmetauscher.

Um medizinische Produkte schnell und sicher zu transportieren, hat das Start-up DiAvEn eine eigene Drohne entwickelt. Einen Testflug an der Berliner Charité war bereits erfolgreich. Momentan arbeitet das Unternehmen an einem großen Projekt in Brandenburg. Das Unternehmen Voxdale kommt eigentlich aus Belgien und unterstützt Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt in den Bereichen Design und Technik. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind Simulationen, mit denen sich neue Produkte effizienter gestalten und auf den Markt bringen lassen.

Start der „Alliance for Zero Emission Aviation“ auf der ILA Berlin

Anlässlich der ILA Berlin hat Thierry Breton, der EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen die neue EU-Initiative, die „Alliance for Zero Emission Aviation“ als Teil des EU-Kommissions-Programms „Fit for 55“ offiziell ins Leben gerufen. Auf der Aviation Future Lab Stage präsent waren dabei BDLI-Präsident und CEO von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn sowie dessen französisches Pendant Guillaume Faury von GIFAS (Groupement des Industries Françaises Aéronautiques et Spatiales), im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender von Airbus SE.

Kommissar Breton, der per Video aus Brüssel zugeschaltet war, präsentierte die Allianz aus Fluglinien und Flughäfen als klares Signal für die Position der EU, langfristig die Führerschaft bei klimaneutraler Luftfahrt zu übernehmen. „Dies bedeutet nicht nur die Verpflichtung zum Umweltschutz, sondern auch eine einzigartige Chance für die europäische Luftfahrtindustrie“, so Breton weiter. Ziel der Allianz sei es, Herausforderungen für die Einführung klimaneutraler Flugzeuge zu identifizieren und zu priorisieren sowie dabei behilflich zu sein, praktische Lösungsansätze umzusetzen. Breton: „Damit ist die Allianz ein Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft des Sektors.“ Hohe Investitionen seien weiter erforderlich, begännen aber bereits, sich durch greifbare Ergebnisse und Technologien auszuzahlen. „Private und öffentliche Akteure können nur als gemeinsame Allianz die ganze Luftfahrt klimaneutral machen. Das bedeutet große Herausforderungen, die aber gemeinsam gemeistert werden können.“

Guillaume Faury betonte anschließend die Notwendigkeit, endlich von der Vision zur Aktion überzugehen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Luftfahrt der Gesellschaft weiter großen Nutzen und Wohlstand bringen kann, dafür aber dringend klimaneutral werden muss. Bis zum ersten mit Wasserstoff betriebenen Flugzeug, das 2035 an den Start gehen soll ist noch viel zu tun, aber die Allianz bietet dazu einen fantastischen Weg.“ Michael Schöllhorn ergänzte mit Blick auf die ILA-Halle 4, dass viele große und kleine Unternehmen und BDLI-Mitglieder gemeinsam auf das Ziel der Klimaneutralität ausgerichtet seien. Und weiter: „Nachhaltigkeit und Sicherheit bedingen einander.“ Als weiteren kleinen Schritt zu deren Vereinbarkeit nannte er den teilweisen Betrieb eines A400M-Transportflugzeugs der Luftwaffe mit synthetischem Treibstoff.

Eurofighter liefert 20 Kampfjets an Spanien

Auf der ILA Berlin unterzeichneten Vertreter von Eurofighter, der NATO-Agentur für EF2000- und Tornado-Entwicklung, -Produktion und -Logistikmanagement (NETMA) sowie Eurojet Turbo den Halcón-Vertrag. Er sieht eine Modernisierung von Spaniens Eurofighter-Typhoon-Flotte mit 20 neuen Kampfjets vor.

20 Kampfjets verkauft Eurofighter an die spanische Luftwaffe. Das legt der Halcón-Vertrag fest, den Carlo Mancusi, CEO Eurofighter Jagdflugzeug, Lt. Gen. Miguel Martín Pérez, General Manager NETMA und Gerhard Bähr, CEO Eurojet, auf der ILA Berlin unterzeichneten. Hochrangige Vertreter von Militär, Industrie und Diplomatie aus den Eurofighter-Kernländern nahmen an der Zeremonie teil.

Der Vertrag sieht vor, dass Spanien 16 einsitzige und vier zweisitzige Kampfflugzeuge erhält. Sie sind mit elektronischem Radar, dem sogenannten E-Scan ausgestattet. Sie werden einen Teil der alten F-18-Flotte ersetzen. Die spanische Eurofighter-Flotte wird damit auf 90 Flugzeuge anwachsen. Ebenso wie die Flugzeuge des 2020 unterzeichneten deutschen Quadriga-Programms sind diese Modelle mit zukunftssicherer Hardware und Software ausgestattet. Zur Bekämpfung von Luft- und Bodenzielen verfügen sie über eine noch breitere Mehrrollenfähigkeit.

Rückgrat der europäischen Luftverteidigung

Für Carlo Mancusi, CEO Eurofighter Jagdflugzeug, ist die heutige Ankündigung aus vielen Gründen eine gute Nachricht. Vor allem signalisiere es das anhaltende Engagement eines der vier Kernpartnerländer für die Zukunft des Eurofighter Typhoon. Der Auftrag stelle sicher, dass der Eurofighter noch viele Jahre lang das Rückgrat der europäischen Luftverteidigung bilden werde und unterstütze die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie. Gerhard Baehr unterstrich, dass der Auftrag die europäische Verteidigungsfähigkeit stärke und zugleich langfristig eine Reihe von hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie sichere.

Das erste Halcón-Flugzeug wird im Jahr 2026 ausgeliefert. Die technischen Fähigkeiten des Eurofighter Typhoon ermöglichen eine Lebensdauer weit über das Jahr 2060 hinaus und somit eine vollständige Integration in das künftige Luftkampfumfeld Europas.

Der Eurofighter ist das größte europäische Verteidigungsprogramm. Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sind die wichtigsten europäischen Partner. Zusätzlich zu den technologischen Fähigkeiten sichert es mehr als 100.000 Arbeitsplätze in 400 europäischen Unternehmen. Bislang wurden 680 Eurofighter-Flugzeuge an neun Länder in aller Welt verkauft.

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