Welche Bedeutung menschliche Gewebe- und Zelltransplantate für die Chirurgie haben und welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Patientinnen und Patienten auch künftig zuverlässig versorgt werden können, stand im Mittelpunkt des Besuches der Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey (SPD), beim Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG). Gemeinsam mit dem Präsidenten des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Dr. Matthias Merx, informierte sie sich über das gemeinnützige Institut, die Herausforderungen durch die neue SoHO-Verordnung und die künftigen Produktionskapazitäten in den derzeit entstehenden Reinräumen.

Gewebe für komplexe Rekonstruktionen

Die Allografts des DIZG kommen insbesondere bei komplexen chirurgischen Rekonstruktionen zum Einsatz, wenn das Gewebe von Patientinnen und Patienten beispielsweise infolge einer Krebserkrankung, eines schweren Unfalls oder von Kriegsverletzungen stark beschädigt oder verloren gegangen ist – und das in nahezu allen medizinischen Fachbereichen. „Es braucht medizinische Möglichkeiten, um betroffenen Menschen wieder mehr Lebensqualität zu geben und ihnen zu einer verbesserten Gesundheit zu verhelfen. Was hier geleistet wird, ist deshalb für die medizinische Versorgung von großer Bedeutung“, sagte Franziska Giffey. „Der heutige Besuch hat mir gezeigt, wie viel medizinisches Know-how, Qualitätsbewusstsein, aber auch regulatorische Arbeit hinter dieser Versorgung steckt. Unternehmen wie das DIZG tragen dazu bei, dass Berlin zum Innovationsstandort Nummer 1 in Europa wird.“

Steigerung der Herstellungskapazitäten

Bei einem Rundgang durch den Neubau erhielten die Gäste Einblicke in das neue Reinraum-Produktionsgebäude. Der 1.670 m2 große Herstellungsbereich schafft zusätzliche Kapazitäten und wird damit die Grundlage für die weitere Entwicklung des DIZG.

Jürgen Ehlers, Geschäftsführer des DIZG, erklärte: „Mit unserem Neubau schaffen wir eine moderne Infrastruktur für die zukunftsorientierte nationale und internationale Patientenversorgung. Unser Anspruch ist es, Chirurginnen und Chirurgen weiterhin zuverlässig mit dringend benötigten humanen Transplantaten zu unterstützen – auch bei sehr hoher Nachfrage. Dafür müssen wir nun gemeinsam die letzten Schritte bis zur Inbetriebnahme gehen und die neuen regulatorischen Anforderungen bewältigen.“

Neue EU-Regeln verändern den regulatorischen Rahmen

Eine besondere Herausforderung ist die neue EU-SoHO-Verordnung für Stoffe menschlichen Ursprungs. Mit ihr verändert sich der europäische Rechtsrahmen für menschliche Gewebe und Zellen grundlegend.

„Bei menschlichen Geweben und Zellen stehen Patientensicherheit und Qualität an erster Stelle“, sagte Dr. Matthias Merx, Präsident des Lageso. „Gleichzeitig müssen wir den Übergang in den neuen europäischen Rechtsrahmen gut gestalten. Dafür braucht es einen engen und frühzeitigen Austausch zwischen Unternehmen und Aufsicht. Der Neubau zeigt, welche hohen Anforderungen heute an spezialisierte Produktionsstätten gestellt werden.“

Versorgungssicherheit auch in Krisenzeiten

Neben dem regulären medizinischen Bedarf spielt die Krisenvorsorge eine wichtige Rolle. Wie Kliniken muss auch das DIZG auf mögliche Krisen- und Verteidigungsfälle vorbereitet sein und die Versorgungssicherheit selbst bei erhöhtem Bedarf an Allografts gewährleisten.

„Medizinische Versorgungssicherheit darf nicht erst dann beginnen, wenn eine Krise eingetreten ist. Eine resiliente Patientenversorgung muss auch unter außergewöhnlichen Belastungen sichergestellt sein“, so Wirtschaftssenatorin Giffey.

Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen

Mit dem Neubau investiert das DIZG in die Zukunft. Gleichzeitig entstehen durch die neue Regulierung, die Inbetriebnahme der Anlage und die Krisenvorsorge zusätzliche Anforderungen und weitere Kosten.

„Wir stehen vor einer entscheidenden Phase: Die neue Anlage muss in Betrieb genommen, die Herstellungserlaubnis erhalten und die neuen europäischen Vorgaben umgesetzt werden. Gleichzeitig möchten wir unsere Rolle in der Krisenvorsorge weiter ausbauen“, so Jürgen Ehlers. „Diese Aufgaben sind wichtig, aber sie sind gleichzeitig mit erheblichen Investitionen verbunden. Damit wir unsere Versorgungsleistung langfristig sicherstellen können, benötigen wir verlässliche regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen.“ 

Über DIZG Deutsches Institut für Zell- und Gewebeersatz

Das gemeinnützige Deutsche Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) ist ein Arzneimittelhersteller mit Sitz in Berlin und zählt zu den größten pharmazeutisch und biotechnologisch orientierten Non-Profit-Einrichtungen dieser Art in Europa. Das DIZG stellt humane Knochen- und Weichgewebetransplantate und als einzige Einrichtung deutschlandweit zudem autologe Zellkulturen für die Versorgung Schwerbrandverletzter bereit. Kliniken sowie Verbrennungszentren erhalten damit eine lebensrettende Therapieoption für ihre Patientinnen und Patienten. Ziel ist es, möglichst vielen Menschen mit schwersten Gewebedefekten eine verbesserte Heilungsperspektive zu bieten.
Aus diesem Grund fördert das Institut die Gewebespende und entwickelt die Vielfalt der Transplantate mit einer eigenen F&E-Abteilung stetig weiter. Das DIZG engagiert sich darüber hinaus in der Ausbildung junger Talente, sowohl im Rahmen von Abschlussarbeiten als auch mit Stellen für Werkstudierende, z. B. auf dem Gebiet der Biotechnologie. Seit seiner Gründung im Jahr 1993 hat das DIZG mehr als 989.000 allogene Gewebetransplantate für medizinische Behandlungen abgegeben. Das DIZG ist eine Schwestereinrichtung der US-amerikanischen MTF Biologics, der weltweit größten Non-Profit-Gewebebank. Mehr Informationen unter www.dizg.de.

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