Forschung und Entwicklung beginnt nicht immer im Labor. Manchmal beginnt sie an einem großen Tisch, in einem offenen Raum, bei einem Gespräch oder mit einer zunächst ungewöhnlichen Idee. Gerade wenn bestehende Strukturen hinterfragt und neue Lösungen entwickelt werden sollen, kann die Umgebung einen Unterschied machen.

Das Institut für Workflow-Management im Gesundheitswesen (IWiG) nutzt deshalb regelmäßig das einsA in Dülmen als Arbeits- und Entwicklungsort. Das als Begegnungsort geschaffene Haus bietet mit seiner offenen Architektur, lichtdurchfluteten Bereichen und unterschiedlichen Möglichkeiten für Austausch und konzentriertes Arbeiten ein Umfeld, das bewusst Abstand vom gewöhnlichen Arbeitsalltag ermöglicht.

Für das IWiG ist dieser Perspektivwechsel besonders wertvoll. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich das Institut mit der Frage, wie Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen analysiert, gestaltet und verbessert werden können. Im Mittelpunkt steht dabei das Workflow-Management – und damit letztlich die Frage, wie Menschen, Aufgaben, Informationen, Ressourcen und Technologien sinnvoll zusammenspielen können.

Kreativität braucht Freiraum

Neue Lösungen entstehen selten dadurch, dass bestehende Abläufe lediglich fortgeschrieben werden. Wer Prozesse verändern möchte, muss Gewohntes hinterfragen, Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und gelegentlich auch gedanklich Abstand vom Tagesgeschäft gewinnen.

Genau dafür bietet das einsA einen geeigneten Rahmen.

Die offene Gestaltung des Hauses schafft Begegnung, ohne konzentriertes Arbeiten auszuschließen. Unterschiedliche Bereiche ermöglichen Gespräche ebenso wie individuelle Arbeitsphasen. Architektur, Kunst und die besondere Atmosphäre des Hauses tragen dazu bei, dass ein Arbeitsort entsteht, der sich deutlich von einem klassischen Büro- oder Besprechungsraum unterscheidet.

„Für kreative Entwicklungsarbeit ist es hilfreich, den gewohnten Arbeitsplatz gelegentlich zu verlassen. Neue Gedanken entstehen häufig dort, wo Raum für Austausch, Konzentration und unterschiedliche Perspektiven vorhanden ist“, sagt Prof. Dr. Michael Greiling, Professor für Workflow-Management im Gesundheitswesen und Geschäftsführer des IWiG.

Vom Gedanken zum Workflow

Für das IWiG ist Kreativität allerdings kein Selbstzweck. Neue Ideen müssen sich daran messen lassen, ob daraus Lösungen entstehen, die im Versorgungsalltag funktionieren.

Im Workflow-Management bedeutet dies beispielsweise, Versorgungspfade und Arbeitsabläufe zu analysieren, Zeit- und Ressourcenbindungen sichtbar zu machen, Verbesserungspotenziale zu erkennen und neue Formen der Organisation zu entwickeln. Digitalisierung, Simulation und der Einsatz künstlicher Intelligenz eröffnen dabei zusätzliche Möglichkeiten.

Der Weg von einer ersten Idee bis zu einer belastbaren Lösung benötigt deshalb unterschiedliche Arbeitsphasen: Diskussion, Strukturierung, Modellierung, Analyse, kritische Prüfung und schließlich die Übertragung in die Praxis.

Orte wie das einsA können gerade für die frühen Phasen dieses Entwicklungsprozesses wertvoll sein.

Neue Perspektiven als An-Institut der APOLLON Hochschule

Mit der 2026 begründeten Kooperation mit der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft und der Stellung des IWiG als An-Institut erhält diese Entwicklungsarbeit eine zusätzliche wissenschaftliche Perspektive.

Die Zusammenarbeit schafft neue Möglichkeiten, wissenschaftliche Erkenntnisse mit den langjährigen Erfahrungen des IWiG im Workflow-Management zu verbinden und gemeinsam neue Impulse für das Gesundheitswesen zu entwickeln.

Damit rückt zugleich eine Frage stärker in den Blick, die im Forschungsalltag leicht unterschätzt wird: Welche Bedingungen brauchen Menschen, damit aus Wissen neue Ideen und aus Ideen tragfähige Lösungen entstehen können?

Wissenschaftliche Zusammenarbeit muss nicht ausschließlich an einem festen Schreibtisch oder in einem klassischen Hochschulgebäude stattfinden. Entscheidend ist vielmehr, für unterschiedliche Aufgaben die passenden Arbeits- und Begegnungsräume zu schaffen.

Ein Begegnungsort wird zum Entwicklungsort

Das einsA wurde als Ort der Begegnung geschaffen. Genau dieser Gedanke passt zur Arbeit des IWiG: Auch Workflow-Management entsteht nicht isoliert. Unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen und Fachdisziplinen müssen zusammengeführt werden, wenn Versorgung nachhaltig verbessert werden soll.

So wird aus einem Begegnungsort zeitweise auch ein Entwicklungsort.

Und vielleicht liegt darin eine einfache Erkenntnis, die über das einzelne Projekt hinausgeht:

Wer neue Arbeitswelten gestalten möchte, sollte auch darüber nachdenken, in welcher Arbeitswelt neue Ideen entstehen können.

Über den Deutsche Gesellschaft für Workflow-Management im Gesundheitswesen (DGWMiG) e.V.

"Wir ermutigen Einrichtungen im Gesundheitswesen, ein systematisches Workflow-Management zur Routine zu machen, um Zeit zu sparen und Verschwendung zu vermeiden, indem wir eine engagierte Kommunikation führen und die Akteure motivieren, ihre Kompetenzen erfolgreich weiterzubilden."

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