Im Georg-Speyer-Haus in Frankfurt am Main entwickelte der Nobelpreisträger Paul Ehrlich 1909 das Salvarsan, das erste wirksame Medikament gegen Syphilis – und begründete damit die Chemotherapie. Sein Arbeitszimmer wurde nach seinem Tod zum Gedenkzimmer umgestaltet und ist bis heute erhalten. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) hat das Institut am 29. September 2026 in ihr Programm „Historische Stätten der Chemie“ aufgenommen. GDCh-Präsidentin Ruth Bieringer und Institutsdirektor Florian Greten enthüllten bei einem Festakt die Erinnerungstafel. 

Außer dem Gedenkzimmer, in dem Paul Ehrlich (1854 – 1915) arbeitete, ist ein Laborraum mit Originalmöblierung erhalten, der nach historischem Vorbild eingerichtet ist. Beide sind im Rahmen von Führungen zugänglich und geben einen Eindruck davon, wie Ehrlich und sein Team Hunderte von Arsenverbindungen durchprüften, bis die Nummer 606 wirkte.

Ehrlich verfolgte im Georg-Speyer-Haus seine Vision einer Chemotherapie: die Entwicklung chemischer Substanzen, die gezielt Krankheitserreger im Körper zerstören, ohne dabei den Patienten zu schädigen. 1909 gelang der Durchbruch. Gemeinsam mit seinem Team aus Chemikern und Medizinern entdeckte er das arsenhaltige Präparat 606, das unter dem Namen Salvarsan weltberühmt wurde. Als erstes wirksames Heilmittel gegen die damals unheilbare Geschlechtskrankheit Syphilis revolutionierte es die Medizin. Weil Salvarsan schwierig in der Handhabung war, entwickelte Ehrlich im Georg-Speyer-Haus das besser verträgliche und leichter lösliche Neosalvarsan, das weltweit über fünfzig Jahre lang eingesetzt wurde.

Möglich wurde diese Forschung durch großzügige Spenden von Franziska Speyer, der Witwe des Frankfurter Bankiers Georg Speyer. Sie stellte Paul Ehrlich das private Forschungsinstitut zur Verfügung; am 3. September 1906 wurde es eingeweiht. Das Georg-Speyer-Haus gilt seither als Geburtsstätte der Medizinischen Chemie. Ehrlich erhielt 1908 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Der Deutschen Chemischen Gesellschaft, einer Vorgängerorganisation der GDCh, gehörte er seit 1902 an; 1910 verlieh sie ihm die Liebig-Denkmünze, 1913 die Ehrenmitgliedschaft.

Die Prinzipien, die Ehrlich ab 1906 im Georg-Speyer-Haus entwickelte, bilden bis heute das Fundament für die Entwicklung und die Qualitätskontrolle von Antibiotika und Krebsmedikamenten. Das traditionsreiche Institut knüpft an dieses Erbe an und forscht auch heute – 120 Jahre nach seiner Gründung – als Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie an neuen Krebstherapien.

Zur Auszeichnung kamen zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft im Georg-Speyer-Haus zusammen. Grußworte sprachen Prof. Dr. Florian Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses, Martin Bollert, Mitglied des Stiftungsrats des Georg-Speyer-Hauses, Prof. Dr. Enrico Schleiff, Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Stefan Vieths, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Prof. Dr. Ruth Bieringer, Präsidentin der GDCh, und Frau Stadträtin Ina Hauck. Staatsminister Timon Gremmels, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, richtete sich per Videobotschaft an die Anwesenden. Den historischen Rückblick übernahm der Medizinhistoriker Dr. Axel C. Hüntelmann, Institut für Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin der Medizinischen Universität Wien, mit dem Vortrag „Eine amerikanische Form der Forschungsorganisation – Gründung und Etablierung des Georg-Speyer-Hauses, 1900 bis 1926“.

Historische Stätten der Chemie  
Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ erinnert die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) seit 1999 an Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie. In einem feierlichen Akt werden Wirkungsstätten bedeutender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer Gedenktafel ausgezeichnet. Ziel des Programms ist es, die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wachzuhalten und die Chemie mit ihren historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl ist, dass die mit der Stätte verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. Weitere Informationen: https://www.gdch.de/historische-staetten

Broschüre 
Die GDCh gibt zu diesem Anlass eine Broschüre zur Geschichte des Georg-Speyer-Hauses und zum Werk Paul Ehrlichs heraus. Sie kann über den GDCh-Shop unter https://shop.gdch.de bezogen werden.

Über den Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit rund 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm "Historische Stätten der Chemie" wird die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wachgehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl als Historische Stätte ist, dass die mit ihren verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. www.gdch.de

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