Gliederschmerzen und Übelkeit: Was nach einem grippalen Infekt oder einer Magen-Darm-Infektion aussieht, kann auch eine Hepatitis sein. Die ansteckende Leberentzündung gehört zu den häufigsten Viruserkrankungen weltweit und bleibt oft unentdeckt. Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am 28. Juli mahnt Dr. Mustafa Yilmaz, Leiter des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover, diese Erkrankung nicht zu unterschätzen. „Insbesondere die Hepatitiden B und C können unbehandelt zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen oder sogar lebensbedrohlich verlaufen.“

Grundsätzlich unterscheidet man Hepatitis A, B und C sowie D und E. Hinter jeder Form verbirgt sich ein eigener Virus. Sie unterscheiden sich sowohl in den Übertragungswegen als auch im Krankheitsverlauf und der Therapie. Alle sind dem Gesundheitsamt meldepflichtig. Neben vielen bekannten chronischen Infektionen wurden im vergangenen Jahr zehn Neuerkrankungen an Hepatitis B und 55 an Hepatitis C in der Region Hannover gemeldet. Die Zahl der Hepatitis-Neuerkrankungen in der Region bleibt somit weiterhin auf einem niedrigen Niveau.

Damit das auch so bleibt, ist eine Impfung ratsam. „Ich rate vor allem Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, und Auslandsreisenden zu einer Impfung gegen Hepatitis A
und B. Bei einem Verdacht sollte man sich auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen“, sagt Dr. Constanze Wasmus vom Fachbereich Gesundheit der Region. Jedes Jahr sterben weltweit 1,5 Millionen Menschen an Hepatitis B oder C.


Hepatitis A, B und C – Was ist was?

Hepatitis A: Überträgt sich durch verunreinigte Lebensmittel und Trinkwasser sowie über Schmierinfektionen und heilt in der Regel von alleine. Eine Schutzimpfung ist möglich.

Hepatitis B: Überträgt sich durch Blut oder andere kontaminierte Körperflüssigkeiten und kann über kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut eintreten. Hepatitis B kann chronisch werden und zu einer Leberzirrhose oder zu einem Leberzellkarzinom führen. Die Übertragbarkeit ist bei Hepatitis B am höchsten, bester Schutz ist eine Impfung. Weltweit haben nach Angaben der WHO etwa 2 Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht oder durchlaufen aktuell eine Infektion; ca. 3 Prozent der Weltbevölkerung (ca. 240 Millionen) sind chronisch mit HBV infiziert (WHO 2015a; WHO 2015b) (Quelle: Robert-Koch-Institut).

Hepatitis C: Überträgt sich über Blut, Speichel oder andere Körperflüssigkeiten und wird in den meisten Fällen chronisch. Einen Impfstoff gegen Hepatitis C gibt es nicht, jedoch ist eine Hepatitis-C-Infektion dank neuer Medikamente heute fast immer heilbar.

Wer sollte geimpft werden?

Grundsätzlich jeder, jedoch gibt es Risiko- und Berufsgruppen, die besonders geschützt werden sollten. Hierzu zählen zum Beispiel Kanalarbeiter (Hepatitis A) oder Personen im medizinischen Bereich (Hepatitis B). Kosten für berufsbedingte Impfungen werden in der Regel vom Arbeitgeber getragen.

Eine Hepatitis A und/oder B-Impfung ist anzuraten, wenn eine Reise in ein Land mit unzureichender Trinkwasseraufbereitung geplant ist oder weitere Ansteckungsgefahren bestehen. Über die Notwendigkeit dieser oder auch anderer Impfungen berät unter anderem die Reise-Impfsprechstunde der Region Hannover unter der Telefonnummer (0511) 6 16- 4 72 39. Weitere Informationen finden sich auch im Internet auf www.hannover.de (Stichwort: Impfberatung).

Was ist bei den Impfungen zu beachten?

Insgesamt sind für eine Immunisierung in Abhängigkeit des Impfstoffs zwei bis drei Impftermine notwendig. Im Anschluss kann eine Erfolgskontrolle durch Bestimmung der Antikörper im Blut erfolgen. In seltenen Fällen ist es möglich, dass Menschen nicht ausreichend auf den Impfstoff ansprechen.

Spätestens zehn Jahre nach der letzten Impfung sollte durch eine Blutuntersuchung überprüft werden, ob noch ein ausreichender Infektionsschutz besteht. „Oft hält der Impfschutz ein Leben lang, aber in einzelnen Fällen ist eine Auffrischung erforderlich“, so Dr. Wasmus.

Welt-Hepatitis-Tag

Der Welt-Hepatitis-Tag verfolgt das Ziel, für Krankheiten Hepatitis B und C zu sensibilisieren. Der 28. Juli ist der Geburtstag des Entdeckers der Hepatitis-B-Viren, Baruch Samuel Blumberg. Ins Leben gerufen wurde der Welt-Hepatitis-Tag durch die World Hepatitis Alliance, der 200 Patientengruppen und -organisationen angehören. In Deutschland ist die Deutsche Leberhilfe Ausrichterin des Welt-Hepatitis-Tages.

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