Mit Mancrodur carbonitriert hat Schaeffler einen lange bestehenden Zielkonflikt in der Entwicklung von Wälzlagerwerkstoffen gelöst: Der neue Stahl in Kombination mit der Wärmebehandlung Carbonitrieren bietet sowohl eine große Oberflächenhärte als auch eine im Vergleich zu anderen Stählen hohe Duktilität. Dies ermöglicht insbesondere bei Mangelschmierung bzw. Verschmutzung eine Verdopplung der Gebrauchsdauer mit Wälzlagern aus Mancrodur.

Seit jeher versuchen Werkstofftechnologen Wälzlagerstähle unempfindlicher gegenüber Mischreibung oder Verschmutzung mit Fremdpartikeln zu machen. Dies sind Bedingungen wie sie beispielsweise in der Stahlindustrie, dem Bergbau oder auch in der Bahntechnik vorkommen. Stark reduzierte Gebrauchsdauern der Lager oder frühzeitige Ausfälle können dort sehr hohe Folgekosten verursachen. Der zu lösende Zielkonflikt: Einerseits müssen die Laufbahnen sehr hart, verschleißfest und tragfähig sein. Andererseits sollten sie die eingebrachten Verformungen durch harte Fremdpartikel beim Überrollen gut tolerieren und gegebenenfalls einebnen können. Diesen Zielkonflikt zwischen großer Härte und ausreichender Duktilität hat Schaeffler nachweislich mit dem Wälzlagerstahl Mancrodur in Verbindung mit der Wärmebehandlung Carbonitrieren gelöst.

Mancrodur carbonitriert verfügt über eine außergewöhnliche Kombination an Eigenschaften, die diesen Wälzlagerwerkstoff für besonders schwierige Umgebungsbedingungen prädestinieren:


  • Durch die Wärmebehandlung – eine Kombination aus Aufkohlen und Nitrieren – sind die Oberflächen der Mancrodur-Lager zum einen hart und verschleißfest.
  • Zum anderen entstehen bei Mancrodur carbonitriert feine und kugelförmige Carbide, die gleichmäßig im Material verteilt und wenig auf die Korngrenzen konzentriert sind. Das Risiko lokaler Schwachstellen ist verringert. Die Laufbahnoberfläche wird so nicht nur härter und verschleißfester, sondern auch duktiler.

Damit ist Mancrodur trotz seiner großen Oberflächenhärte in der Lage, Aufwürfe der Laufbahn durch eingedrückte Fremdpartikel einzuebnen. Die Materialermüdung wird erheblich verzögert, die Rissbildung verhindert und die Gebrauchsdauer deutlich verlängert.

Bei Mangelschmierung erhöht sich aufgrund der höheren Reibung lokal die Temperatur des Materials. Im Vergleich zu anderen Stählen ist der temperaturbedingte Festigkeitsabfall bei Mancrodur kleiner, so dass die Gefahr lokaler Überlastung durch Mangelschmierung deutlich verringert ist.

Unter normalen Schmierbedingungen (Vollschmierung) bietet der carbonitrierte Mancrodur eine Steigerung der Tragzahl um 30% im Vergleich zum Standard-Werkstoff, gleichbedeutend mit einer Erhöhung der nominellen Lebensdauer um 240%. In Versuchsreihen konnte bei Vollschmierung eine bis zu sechs Mal längere Lebensdauer mit Mancrodur carbonitriert nachgewiesen werden.

Doppelte Gebrauchsdauer im Betrieb

In schwierigen Umgebungen, wie sie vor allem in der Bahntechnik, im Bergbau oder in der Stahlindustrie vorkommen, sind Tests unter widrigen Realbedingungen entscheidend. In einem Warmbandwerk eines Stahlproduzenten werden in den Arbeitswalzen erste Testlager der vierreihigen FAG Kegelrollenlager aus Mancrodur carbonitriert eingesetzt. Die Testlager erreichen in dieser Anwendung eine doppelte Gebrauchsdauer.

Mancrodur eignet sich besonders, wenn eine höhere Maschinenverfügbarkeit trotz rauer Einsatzbedingungen erreicht werden soll. Neben bereits erprobten Anwendungen in Stahlwerken sind auch hochbelastete Radsatzlager in Güterwagons, Planetenlager in Windkraftgetrieben sowie Lager in Pumpen und Kompressoren weitere bevorzugte Anwendungsfelder des neuen Hochleistungsstahls. Der Trend zum Downsizing führt in vielen Maschinen dazu, dass Lagerungen hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit an Grenzen stoßen. Mit der deutlich höheren Tragfähigkeit, der Unempfindlichkeit bei Mangelschmierung und Verunreinigung ist Mancrodur besonders auch für Lager in Getrieben von Agrarmaschinen, Baumaschinen, Pkw und Lkw sowie in Schiffsantrieben hervorragend einsetzbar.

Über die Schaeffler AG

Die Schaeffler Gruppe ist ein weltweit führender integrierter Automobil- und Industriezulieferer. Das Unternehmen steht für höchste Qualität, herausragende Technologie und ausgeprägte Innovationskraft. Mit Präzisionskomponenten und Systemen in Motor, Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlagerlösungen für eine Vielzahl von Industrieanwendungen leistet die Schaeffler Gruppe einen entscheidenden Beitrag für die "Mobilität für morgen". Im Jahr 2016 erwirtschaftete das Technologieunternehmen einen Umsatz von rund 13,3 Mrd. Euro. Mit rund 85.000 Mitarbeitern ist Schaeffler eines der weltweit größten Familienunternehmen und verfügt mit rund 170 Standorten in über 50 Ländern über ein weltweites Netz aus Produktionsstandorten, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und Vertriebsgesellschaften.

Die Sparte Industrie liefert über eine weltweit marktnahe Organisation und Anwendungsberatung Komponenten und Systeme für rund 60 verschiedene Industriebranchen. Das Portfolio reicht von millimetergroßen Miniaturlagern bis zu Großlagern mit einem Außendurchmesser von mehreren Metern.

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