Die gesamte Branche des Deutschen Maschinenbaus steht seit einigen Jahren in vielfältiger Weise unter Druck. Eine Branche, die exemplarisch für die Stärken Deutschlands steht: Hochtechnologie, Ingenieurskunst bis hin zur Perfektion. Der Verpackungsmaschinenbau zählt zu den erfolgreichsten, aber zugleich am wenigsten wahrgenommenen Industriezweigen Deutschlands. Der Beitrag beschäftigt sich auf der Basis eines Studienergebnisses mit der Frage, wie der Deutsche Verpackungsmaschinenbau angesichts der Kernherausforderungen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und sich stark verändernder Märkte seine führende Marktposition in den weltweiten Märkten bewahren, oder diese sogar ausbauen kann.

Deutsche Verpackungsmaschinenbauer sehen sich einem gewissen Dilemma ausgesetzt. Auf der einen Seite deuten alle Zahlen und Statistiken darauf hin, dass der Bedarf an Verpackung weltweit auch zukünftig stetig wachsen wird. Eine weiterhin wachsende Weltbevölkerung, wachsender Wohlstand und bessere medizinische Versorgung verheißen in der weltweiten Perspektive eine erfolgreiche Zukunft. Zudem sind bei vielen Unternehmen der Branche die Auftragsbücher gut bis sehr gut gefüllt. Auf der anderen Seite kommen die Unternehmen durch ein hohes Maß an Regulierung im Kontext Nachhaltigkeit, wichtige Investitionen in Digitalisierung und einen stark zunehmenden Wettbewerb aus Asien unter Druck.

Um seinen Mitgliedsunternehmen Orientierung und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für strategische Weichenstellungen angesichts der starken Veränderungen zu geben, hat das Netzwerk des Verpackungsmaschinenbaus und der dazugehörigen Automatisierungstechnik, Packaging Valley Germany e. V., gemeinsam mit der ensign advisory GmbH eine Studie unter den Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Diese wurde mit öffentlich zugänglichen Marktinformationen angereichert, um ein umfassendes Bild der Branche darzustellen. Das Studiendesign orientierte sich an den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Märkte. Die Interviews wurden in den vergangenen Monaten geführt; nun liegen die Ergebnisse vor.

Digitalisierung: vom Effizienzhebel zum Wettbewerbsfaktor
In der Studie wird von den Befragten von den drei Themenbereichen das Thema Digitalisierung, inklusive Automatisierung und KI, am stärksten priorisiert. Die Unternehmen sehen eine hohe Relevanz für Prozesse, Produkte und Services. KI-Anwendungen existieren in den Bereichen Engineering, Qualität, Service oder Wissensmanagement. Der Schritt hin zur skalierbaren Lösung scheitert jedoch oft an fragmentierten Daten, heterogenen Schnittstellen, unklarer Data Governance, Cybersecurity-Anforderungen und nicht ausreichend vorhandener Softwarekompetenzen.
Entscheidend ist laut Studie der Aufbau digitaler Grundfähigkeiten: interoperable, update- und datenfähige Maschinen, standardisierte Schnittstellen wie OPC UA oder PackML, klare Datenlogiken und robuste IT/OT-Sicherheit. Aus dem Studienergebnis zum Thema Digitalisierung heraus ergibt sich folgende Handlungsempfehlung: zuerst Daten- und Integrationsfähigkeit schaffen, dann softwaredefinierte Maschinen, modulare Automatisierung und wirtschaftlich tragfähige KI-Anwendungen priorisieren. KI sollte dort starten, wo Nutzen messbar wird – etwa bei Qualitätssicherung, Prozessstabilisierung, Engineering-Effizienz oder Serviceunterstützung. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Digitalisierung nicht isoliert betrachtet werden kann. Insbesondere Nachhaltigkeitsanforderungen erhöhen den Bedarf an Daten- und Nachweisfähigkeit erheblich, was wiederum zeigt, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit gemeinsam gedacht werden müssen.

Nachhaltigkeit: selektiv umgesetzt, aber strategisch relevant
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bleiben für die Studienteilnehmer relevant, haben im Tagesgeschäft jedoch gegenüber Kosten-, Stabilitäts- und Effizienzthemen an Priorität verloren. Regulatorik und Kundenanforderungen schärfen das Thema allerdings wieder. In Europa erzeugen PPWR, Digitaler Produktpass, ESG-Anforderungen und Nachweispflichten konkrete technische und organisatorische Anforderungen. Nachhaltigkeit wird damit zur Produkt-, Daten- und Servicefrage. Im Mittelpunkt stehen Lösungen, die Energie- und Ressourceneffizienz verbessern, den Einsatz neuer Materialien ermöglichen und gleichzeitig die erforderlichen Daten für Nachweis- und Berichtspflichten bereitstellen. Der Einsatz neuer Materialien bringt Veränderungen bei Prozessfenster, Siegeltechnologien, Handling und Qualitätskontrolle. Kunden erwarten verlässliche Daten zu Energie-, Material- und Prozessleistung. Handlungsempfehlung der Autoren der Studie zum Thema Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit soll in marktfähige Angebote übersetzt werden. Mit PPWR-ready Maschinenkonzepten, materialflexiblen Plattformen, auditierbare Daten, Retrofit-Kits und Services zur Effizienz- und Ausschussreduzierung. Entscheidend ist dabei die Übertragung in Total Cost of Ownership (TCO), Verfügbarkeit, Investitionssicherheit und Kundennutzen.

Märkte: Wettbewerb wird regionaler und mehrdimensionaler
Der internationale Wettbewerb wird regionaler und mehrdimensionaler. Kostendruck, technologische Aufholbewegungen asiatischer Anbieter, „Local-for-Local“-Anforderungen in Nordamerika und Asien sowie regionale Marktlogiken verändern die Erfolgsfaktoren. Wettbewerbsfähigkeit entsteht künftig nicht allein über Premiumqualität. Sie wird durch das Zusammenspiel von Technologie, Kostenposition, Servicefähigkeit, lokaler Präsenz und skalierbarer Portfolioarchitektur bestimmt. Speziell China erhöht den Druck über Preis, Skalierung und eine technologische Aufholbewegungen. Nordamerika verlangt lokale Service-, Montage- oder Produktionslogiken. Indien und Lateinamerika bieten Wachstum, erfordern aber angepasste Go-to-Market-Modelle und robuste, wirtschaftliche Lösungen. Europa bleibt Kernmarkt und Innovationsmotor, wird aber gleichzeitig als Markt stärker umkämpft. Handlungsempfehlung für das Thema Märkte: Unternehmen sollten ihre Marktarchitektur aktiv segmentieren. Im Premiumbereich schaffen erweiterte Systemlösungen, digitale Features, eine überzeugende TCO-Argumentation und umfassende Lifecycle-Services einen entscheidenden Mehrwert. In preissensitiven Märkten stärken kostenoptimierte Plattformen, eine klare Variantenlogik und regionale Produktlinien die Wettbewerbsfähigkeit. Service, Ersatzteile und lokale Partner werden zu Hebeln für Kundennähe und wiederkehrende Erlöse.

Fazit: Priorisieren statt parallelisieren
Die Studie macht deutlich: Wettbewerbsfähigkeit entsteht künftig aus dem Zusammenspiel dieser drei Transformationsfelder Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Märkte. Nachhaltigkeit braucht Datenfähigkeit, digitale Services brauchen standardisierte Architekturen, und internationaler Wettbewerb verlangt Kostenkontrolle, Servicefähigkeit und regionale Anpassung. Entscheidend ist nicht die Zahl der Initiativen, sondern deren Reihenfolge. Transparenz, Datenfähigkeit, Modularität und klare Verantwortlichkeiten bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation. Darauf lassen sich digitale Services, nachhaltige Leistungsversprechen und internationale Wachstumsmodelle skalieren. Wer fokussiert handelt, kann Transformationsdruck in Differenzierung, Effizienz und neue Wertschöpfung übersetzen. Werden die genannten Handlungsempfehlungen konsequent umgesetzt, kann der Deutsche Verpackungsmaschinenbau nach Ansicht der Autoren der Studie optimistisch in die Zukunft schauen. Interessenten können die Ergebnisse der Marktstudie hier downloaden: Marktstudie Verpackungsmaschinenbau

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