Der aktuelle Metallmarkt lässt sich am besten als eine Mischung aus anhaltenden strukturellen Veränderungen und kurzfristigen spekulativen Positionen interpretieren. Die Erwartungen für die kommenden Jahre – und nicht eng definierte Kursziele – bestimmen einen Großteil des Geschehens. Anlegerinnen und Anleger sollten daher eher in Szenarien und Risikoprämien denken als in Momentaufnahmen.
Gold: Risikoprämie bei 5-10 Prozent
Der jüngste Anstieg des Goldpreises lässt sich eher durch mittel- bis langfristige strukturelle Faktoren als durch unmittelbare fundamentale Entwicklungen begründen. Die Käufe, insbesondere auch von Zentralbanken aus Schwellenländern, führen in Verbindung mit erhöhten geopolitischen Risiken und der Rolle des Edelmetalls bei der Portfoliodiversifizierung zu einer Risikoprämie, die wir derzeit grob auf 5 bis 10 % schätzen. Diese Prämie könnte sich erheblich ausweiten, wenn die Marktteilnehmer ein strukturelles Unterangebot stärker einpreisen. Technisch gesehen war die Preisentwicklung hoch; es gibt nur wenige verlässliche Short-Signale und strategisch gesehen ist Gold eindeutig die wichtigste Absicherung unter den Edelmetallen. Für Anleger, die einen sicheren Hafen vor geopolitischen Schocks und politischer Unsicherheit suchen, bietet Gold eine klarere und besser zu verteidigende Argumentation als Silber.
Silber: Deutlicher Nachfrageüberhang
Die Marktdynamik von Silber unterscheidet sich von der von Gold. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Unterangebot von etwa 10 % aus. Silber profitiert sowohl von der Nachfrage nach Edelmetallen als auch von seiner zunehmenden industriellen Bedeutung für die Energiewende und KI-Hardware. Chinas steigender Bedarf sowie der Einsatz in der Photovoltaik und Elektronik erhöhen die Nachfrage zusätzlich. Allerdings hat die Preisentwicklung von Silber zeitweise die makroökonomischen Fundamentaldaten übertroffen. Es bleibt stärker spekulativen Strömungen ausgesetzt und kann volatiler sein als Gold. Aus Investorensicht ist eine zurückhaltende Haltung gegenüber Silber sinnvoll für diejenigen, die generell die Absicherungseigenschaften von Edelmetallen wünschen, aber die relative Stabilität von Gold schätzen.
Kupfer: Rückgrat der Elektrifizierung und KI
Die mittel- bis langfristigen Aussichten für Kupfer bleiben strukturell optimistisch. Der Verbrauch dürfte bis 2040 um rund 50 % steigen, angetrieben durch KI-Rechenzentren, den Ausbau erneuerbarer Energien, Elektrofahrzeuge, die etwa dreimal so viel Kupfer verbrauchen wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, und die Modernisierung der Stromnetze. Diese Entwicklung könnte die weltweite Nachfrage auf etwa 42 Millionen Tonnen steigen lassen.
Das Angebot reagiert jedoch nur langsam. Minen, die komplett neu erschlossen und gebaut werden, benötigen in der Regel zehn bis 15 Jahre, bis sie in Betrieb genommen werden können. Bestehende Betriebe sehen sich mit sinkenden Erzgehalten konfrontiert, und die Produktion konzentriert sich geografisch auf Länder wie Chile und Peru, was politische und soziale Risiken mit sich bringt. Recycling hilft zwar, kann aber die Lücke nicht allein schließen, es sei denn, die Preise steigen so stark, dass Anreize für die Rückgabe großer Mengen an Altmetall geschaffen werden. Zusammengenommen sprechen diese Faktoren für ein langfristiges strukturelles Angebotsdefizit, wodurch Kupfer – und in einigen Fällen Zinn – zu einer attraktiven Anlagemöglichkeit im Industriebereich wird, um von Investitionen in Elektrifizierung und KI-Infrastruktur zu profitieren.
Barbell-Strategie und Alternatives
Angesichts der verschiedenen Einflussfaktoren ist ein Barbell-Ansatz sinnvoll. Die Barbell- oder Hantelstrategie soll ein Gleichgewicht zwischen Risiko und Ertrag schaffen, indem sie in risikoarme und risikoreiche Assets investiert, diejenigen mit mittlerem Risiko aber eher ausspart. Ziel ist, das Gesamtrisiko zu senken.
Eine Kombination aus Gold aufgrund seiner Absicherungseigenschaften mit ausgewählten Industriemetallen wie Kupfer oder Zinn ist attraktiv, um von den strukturellen Aufwärtspotenzialen durch Elektrifizierung, KI und Infrastrukturausgaben zu profitieren. Silber kann eine untergeordnete Rolle für taktische Engagements spielen, aber für die Basisabsicherung sollte Gold bevorzugt werden.
Bei der Portfoliozusammensetzung sollte in diesem komplexen Umfeld auch eine erhöhte Allokation in Alternatives und dynamische Asset-Allokationsinstrumente berücksichtigt werden. Soweit es die Mandate zulassen, kann eine Allokation von mindestens 10 % in Alternative Investments – Strategien, die rohstofforientierte Fonds, Real Assets und andere Diversifikatoren umfassen können – eine gute Konvexität gegenüber stagflationären Schocks und geopolitisch schwierigen Ereignissen bieten.
Kurzfristige Kursziele sind in Märkten, die von sich ändernden Erwartungen und asymmetrischen Risiken getrieben werden, nur von begrenztem Nutzen. Stattdessen sollten Anlegerinnen und Anleger Szenarien, wie beispielsweise Rezessionen, finanzielle Belastungen oder Versorgungsausfälle, modellieren. Sie könnten Positionen so planen, dass sie sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die potenziellen Auswirkungen dieser Szenarien widerspiegeln. Angesichts der langen Vorlaufzeiten für eine Angebotsanpassung bei Metallen und der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten im Energiebereich dürften Metalle weiterhin ein wichtiger Bestandteil diversifizierter Portfolios bleiben. Allerdings erfordern sie ein aktives Management und eine klare Vorstellung vom Zeithorizont und der Risikotoleranz.
Quelleninformationen und weitere Angaben finden Sie im Monthly Cross Asset oder im Amundi Research Center.
Amundi Deutschland GmbH
Arnulfstraße 124 – 126
80636 München
Telefon: +49 (89) 992260
Telefax: +49 (800) 777-1928
http://www.amundi.de
E-Mail: anette.baum@amundi.com
![]()