Die zweite Audiowelle des Jahres liegt vor und beziffert erstmals wieder, wie breit gehörte Sprachformate wirklich sind. Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse hat ihre Erhebung ma 2026 Audio II am 15. Juli 2026 in Frankfurt veröffentlicht. Laut dieser Auswertung haben 31,7 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren innerhalb der vergangenen vier Wochen mindestens einmal einen Podcast gehört. In der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen sind es 44,5 Prozent. Wer selbst produzieren will, findet den Einstieg in einer Anleitung für die erste eigene Podcast-Folge.

Was die neue Erhebungsbasis für den Vergleich mit früheren Wellen bedeutet

Die Zahlen dieser Welle lassen sich nicht ohne Weiteres an die Vorwelle anlegen. Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse weist ausdrücklich darauf hin, dass die aktuelle Berichterstattung auf neuen Mikrozensus-Außenvorgaben beruht. Damit ändern sich Gewichtung und Hochrechnungsbasis.

Ein Anstieg oder Rückgang in absoluten Zahlen ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer veränderten Nutzung. Wer Zeitreihen bildet, muss die neue Basis mitführen, sonst entstehen Wachstumsgeschichten aus einer Rechenumstellung. Die Erhebung selbst weist detaillierte Ergebnisse für 560 Audioangebote aus, einschließlich Zusammenfassungen und werbefreier Sender.

Warum das Radio trotz wachsender Onlineaudio-Nutzung die Zeitbilanz anführt

Das Gesamtbild bleibt vom klassischen Hörfunk geprägt. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse nutzen 74,1 Prozent der Menschen ab 14 Jahren von Montag bis Freitag täglich mindestens einen klassischen Radiosender, ein Webradio oder ein nutzergeneriertes Radio. Im weitesten Hörerkreis erreicht Audio insgesamt 91,0 Prozent, der klassische Hörfunk allein 90,8 Prozent.

Auch die Verweildauern sprechen für das lineare Angebot. Die 14- bis 29-Jährigen hören täglich 195 Minuten Audio, die 30- bis 59-Jährigen 261 Minuten. Laut derselben Erhebung kommt DAB+ (der digitale terrestrische Hörfunkstandard) im weitesten Hörerkreis auf 35,6 Prozent, Onlineaudio als Empfangsweg auf 25,1 Prozent.

„Ein Podcast konkurriert nicht mit dem Radio um den Tag, sondern um einzelne Wegstrecken. Wer diese Strecken nicht kennt, produziert Folgenlängen, die niemand zu Ende hört“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie sich die tägliche Hörzeit auf Verbreitungswege verteilt

Eine zweite Erhebung ordnet die Minuten. Die Studienreihe Audioversum von ARD MEDIA (dem Werbevermarkter der ARD-Rundfunkanstalten) wurde am 23. April 2026 in der vierten Welle vorgestellt; befragt wurden im September 2025 rund 2.000 Personen ab 14 Jahren durch das Institut Kantar. Danach verbringen Menschen ab 14 Jahren in Deutschland im Schnitt 216 Minuten täglich mit Audioangeboten.

Erstmals entfällt nach Angaben der Studienreihe Audioversum mit 114 Minuten und damit 53 Prozent mehr als die Hälfte dieser Zeit auf Streaming und Download. Das klassische Radiogerät bleibt trotzdem das Einzelgerät mit der längsten Hördauer: 70 Minuten täglich, gefolgt vom Smartphone mit 54 Minuten. Von der gesamten Radionutzung laufen inzwischen 29 Prozent über das Internet.

Für Produzierende folgt daraus eine Auffindbarkeitsfrage, denn ein Abruf beginnt selten im Verzeichnis und häufig in einer Suche. Dazu gibt es eine Darstellung zur Sichtbarkeit von Audioinhalten in Suchmaschinen.

Woran sich der Abstand zwischen Reichweite und Hörzeit ablesen lässt

Die Eckwerte beider Erhebungen zeigen, warum eine hohe Reichweite noch keine hohe Nutzungsdauer bedeutet. Sie stammen aus der ma 2026 Audio II und aus der Studienreihe Audioversum 2026:

  • Podcasts erreichen in vier Wochen 31,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren.
  • Das Audiouniversum insgesamt erreicht im selben Zeitraum 96,7 Prozent.
  • Von 216 Minuten täglicher Audionutzung sind 135 Minuten werblich belegbar.
  • Auf werbefreie Nutzung entfallen die übrigen 80 Minuten.

Die Podcastnutzung ist damit breit verankert, aber zeitlich schmal. Sie tritt neben ein Medium, das seine Hörer über Stunden begleitet, und gewinnt ihre Aufmerksamkeit in klar abgegrenzten Situationen.

Für den Herbst 2026 heißt das: Wer eine Reihe plant, rechnet nicht mit Radiodauern, sondern mit Wegzeiten. Die nächste Vergleichsmessung ist absehbar, denn die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse veröffentlicht ihre Audiowellen zweimal jährlich; die erste Welle des Jahres 2027 ist im Frühjahr zu erwarten.

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