DeFi-Verluste sanken von 2,62 Milliarden auf 680 Millionen Dollar
Immunefi beziffert die Schäden dezentraler Finanzprotokolle für 2022 auf 2,62 Milliarden Dollar und damit auf den bislang höchsten Jahreswert der Erhebung. Laut der Auswertung sanken sie bis 2024 auf 534 Millionen Dollar und lagen 2025 bei 680 Millionen Dollar. Dezentrale Finanzprotokolle sind Programme auf einer Blockchain, die Kredite, Tausch oder Verzinsung ohne eine verwahrende Stelle abwickeln. Die Zahl der erfassten Vorfälle stieg im selben Zeitraum, während der Schaden je Vorfall zurückging.
- 2022: 2,62 Milliarden Dollar Schaden in dezentralen Finanzprotokollen, bisheriger Höchstwert der Reihe.
- 2024: 534 Millionen Dollar, ein Minus von rund 80 Prozent gegenüber dem Wert von 2022.
- 2025: 680 Millionen Dollar bei zugleich gestiegener Zahl der erfassten Vorfälle.
- Medianschaden je Vorfall: 6 Millionen Dollar im Jahr 2022 gegenüber 1,5 Millionen Dollar im Jahr 2025.
Warum der Medianschaden mehr über die Lage aussagt als die Jahressumme
Der Medianschaden je Vorfall ist nach Angaben von Immunefi von 6 Millionen Dollar im Jahr 2022 auf 1,5 Millionen Dollar im Jahr 2025 gefallen, ein Rückgang um 75 Prozent. Jahressummen reagieren dagegen empfindlich auf einzelne Großschäden. Ein einziger Vorfall verschiebt eine ganze Jahresbilanz, ohne dass sich an der Sicherheitslage der übrigen Protokolle etwas geändert hätte. Der Median beschreibt den typischen Fall und bleibt von solchen Ausreißern unberührt.
„Sinkende Gesamtschäden allein sind noch kein Beleg dafür, dass Sicherheitsarbeit wirkt. Überzeugend wird das Bild erst, wenn auch der typische Einzelschaden fällt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Welche Angriffswege 2025 den größten Anteil der Schäden trugen
Fehler in der Programmlogik verursachten laut Immunefi 89 Prozent der Schäden in dezentralen Protokollen im Jahr 2025. Kompromittierte private Schlüssel folgten mit 8,1 Prozent, Angriffe auf Brücken zwischen zwei Blockchains mit 3 Prozent. Sogenannte Flash-Loan-Angriffe, bei denen ein Kredit innerhalb einer einzigen Transaktion aufgenommen und zurückgezahlt wird, blieben unter 1 Prozent. Die Verteilung widerspricht dem verbreiteten Bild, wonach vor allem Brücken zwischen Netzwerken die Schäden treiben.
Das Risiko wandert von den Protokollen zu den Verwahrstellen
Handelsplätze und Verwahrstellen verloren 2025 nach Angaben von Immunefi mehr als 1,6 Milliarden Dollar und damit erheblich mehr als die dezentralen Protokolle mit 680 Millionen Dollar. Allein auf den Angriff auf die Mehrfachunterschrift-Verwahrung der Handelsplattform Bybit entfielen 1,5 Milliarden Dollar. Der Vorfall lief nicht über eine Lücke im Programmcode, sondern über getäuschte Beschäftigte. Organisatorische Abläufe und Schlüsselverwaltung rücken damit in denselben Rang wie die Prüfung des Quellcodes.
Wie sich das Risiko einzelner Netzwerke am gebundenen Kapital messen lässt
Immunefi setzt die Schäden ins Verhältnis zu dem Kapital, das in den Protokollen eines Netzwerks gebunden ist. Für Ethereum und Solana ergab sich 2025 laut dieser Berechnung jeweils eine Quote von rund 0,42 Prozent, für die BNB Chain (das Netzwerk der Handelsplattform Binance) eine von rund 0,33 Prozent. Absolute Schadenssummen sagen wenig aus, solange die Größe des jeweiligen Netzwerks unberücksichtigt bleibt. Ein großes Netzwerk zieht mehr Angriffe an, trägt aber auch mehr Kapital, das sich auf viele Anwendungen verteilt.
Welche Vorfälle das Bild im laufenden Jahr fortschreiben
Brücken zwischen Blockchains bleiben auch 2026 ein Angriffsziel. Nach Angaben des Sicherheitsanbieters CertiK verlor das Verus-Protokoll am 30. Juli 2026 rund 7,44 Millionen Dollar, nachdem ein Angreifer gefälschte Einträge in die Übertragung zwischen zwei Netzwerken eingeschleust hatte. Ein zweiter von CertiK dokumentierter Fall vom 16. Juli 2026 kostete das Protokoll DefiTuna rund 570.000 Dollar über einen Rundungsfehler in der Wertberechnung. Beide Fälle liegen weit unter den Großschäden früherer Jahre und passen damit zu dem sinkenden Medianwert.
Die Reihe von 2020 bis 2025 beschreibt keinen abgeschlossenen Vorgang. Sie zeigt zweierlei: Sicherheitsaufwand schlägt sich messbar nieder, und das Risiko verlagert sich, statt zu verschwinden. Für die Bewertung einer einzelnen Anwendung bleibt deshalb entscheidend, wer die Schlüssel verwahrt und wann der Quellcode zuletzt geprüft wurde.
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