Einer großen Mehrheit der Deutschen (70 %) ist die Wehrhaftigkeit des Landes wichtig. Nahezu zwei Drittel der Befragten (62 %) befürchtet einen militärischen Konflikt zwischen Russland und einem NATO-Mitgliedstaat. Knapp die Hälfte (42 %) hat große Sorgen, dass es zu einem solchen Konflikt zwischen Deutschland und Russland auf deutschem Gebiet kommt.
Das Forschungsteam fragte deshalb nach konkreten sicherheitspolitischen Maßnahmen. Die größte Zustimmung bekommen die personelle Aufstockung der Bundeswehr (60 %), ein stärkeres staatliches Eingreifen gegen hybride Angriffe Russlands (58 %) und eine gemeinsame europäische Armee (55 %). Eine relative Mehrheit befürwortet die Wiedereinführung der Wehrpflicht (49 % zu 27 % Ablehnung) und einen verpflichtenden Gesellschaftsdienst, etwa im Bevölkerungsschutz (48 % zu 21 %). Keine Mehrheit gibt es dagegen für eine Erhöhung der Militärhilfe für die Ukraine (27 % zu 41 %). Rund zwei Drittel (67 %) wünschen sich eine engere Zusammenarbeit der EU-Staaten in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.
„Insgesamt spiegeln die Ergebnisse einen klaren Reformwillen zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands wider und lassen Rückschlüsse auf mehrheitsfähige Verteidigungspolitiken in der Bevölkerung zu“, sagt Co-Studienleiter Prof. Sebastian Blesse von der Universität Leipzig.
Lockerung der Schuldenbremse umstritten
Wie viel Geld sollte Deutschland in die Verteidigung stecken? Eine große Mehrheit von 70 Prozent der Befragten spricht sich für mindestens 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Es gibt aber keine absolute Mehrheit, zu diesem Zweck die Schuldenbremse zu lockern.
Sollte stattdessen in anderen Bereichen gespart werden? Das Forschungsteam zeigte den Umfrageteilnehmenden, auf welche Bereiche derzeit wie viel Prozent der öffentlichen Ausgaben verteilt werden. Sie konnten dann jeweils angeben, ob sie die Anteile erhöhen oder verringern wollen. 77 Prozent der Befragten sind für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Auch für mehr Geld für Innere Sicherheit und Öffentliche Ordnung (85 %) sowie Bildung (83 %) gibt es große Zustimmung. Dagegen halten 83 Prozent die Ausgaben für Soziale Sicherung, die den aktuell größten Anteil darstellen, für zu hoch.
„Mehr Geld für Militär wäre noch vor wenigen Jahren nicht mehrheitsfähig gewesen. Wir sehen also einen deutlichen Wandel in den sicherheitspolitischen Einstellungen der Deutschen“, sagt Co-Studienleiter Prof. Philipp Lergetporer von der TUM, der am Campus Heilbronn forscht.
Für die repräsentative Studie wurden von Juli bis September 2025 rund 1.100 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt. Die Befragung wurde online durch das Institut Bilendi durchgeführt.
Weitere Informationen:
Prof. Philipp Lergetporer und Prof. Sebastian Blesse sind am ifo Institut affiliierte Forscher, in dessen Schnelldienst die Umfrage veröffentlicht wurde. Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts „Politikgestaltung im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Evidenz und öffentlicher Meinung: Experimentelle Studien mit PolitikerInnen“. Sie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
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