Viel Neues, Bewegendes und Aussichtsreiches war bei der gemeinsamen Frühjahrstagung der Holzbaubau-Verbände DHV, ZMH und 81fünf zu erfahren: Vom 22.-24. Februar durften die Veranstalter im Mercure-Hotel MOA Berlin gut 240 Teilnehmer/-innen begrüßen. Sie alle einte die Frage: Wie geht es mit der Bauwirtschaft weiter?

Ein Veranstaltungsbericht von Achim Dathe, Baufachjournalist abp, Stuttgart

DHV-Hauptgeschäftsführer Konstantin zu Dohna wertete die Zahl der nach Berlin gereisten Tagungsgäste als Bestätigung, wie sehr die deutsche Holzwirtschaft in guten wie auch in bewegten Zeiten auf die Weitsicht und den Rat ihrer Verbände baut: „Für unsere Mitglieder fungieren wir als Kompass und Wegbereiter in eine chancenreiche Zukunft. Schon über 500 mittelständische 81fünf-, DHV- und ZimmerMeisterHaus-Betriebe verlassen sich auf unsere Expertise und folgen unseren Handlungsempfehlungen.“ Der gute Ruf eilt den drei Holzbauverbänden voraus: Die Zahl der Mitgliedsunternehmen stieg beim Deutschen Holzfertigbau-Verband auf aktuell 255, bei der Vereinigung ZimmerMeisterHaus auf 103 und beim Netzwerk 81fünf auf 145. Dass sich das Engagement in einem Holzbauverband offenkundig lohnt, macht auch die enorm gestiegene Anzahl fördernder Mitglieder deutlich. Wie am Rande der Berliner Tagung an vielen Ständen der begleitenden Fachausstellung zu hören war, wird der kollegiale Austausch zwischen Hausbauunternehmen und Zulieferbetrieben allseits als praxisnah und nutzenstiftend betrachtet.

Kontinuität und Planbarkeit erforderlich

„Rin inne Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln“ – so schilderten Gäste der Berliner Tagung den Eindruck, den die aktuelle Wirtschafts-, Bau- und Förderpolitik der Ampel-Regierung auf sie macht. Vermisst werden von den Holzbaubetrieben und ihren Verbänden Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der Baupolitik sowie konsequentes Verfolgen zuvor klar kommunizierter Ziele. Dieses Bild versuchte Ministerialdirigent Lothar Fehn Krestas vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) zu korrigieren: Zwar sei die aktuelle Lage der Bauwirtschaft als Herausforderung anzusehen, die Bundesregierung habe jedoch etliche Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Baukonjunktur und insbesondere den Geschosswohnungsbau wieder anzukurbeln. Dazu zähle laut Krestas vor allem die Holzbauinitiative der Bundesregierung, durch die bestehende Gesetze und Verordnungen einer Revision unterzogen werden sollen, um das Bauen mit Holz zu erleichtern. Eine Priorisierung des Naturbaustoffs, der als einziger Kohlendioxid in nennenswertem Umfang speichert und der Atmosphäre ein Häuserleben lang entzieht, wollte der Ministerialbeamte damit jedoch nicht verbunden wissen: „Auch Beton und Ziegel haben ihre Daseinsberechtigung und werden uns weiterhin begleiten.“, sagte er. Mehrere Tagungsteilnehmer/-innen zeigten sich irritiert und kritisierten, dass solche politisch motivierten Rücksichtnahmen keine Klarheit schaffen und weiter in der Schwebe lassen, was im Interesse des Klimaschutzes und einer Wiederbelebung der Baukonjunktur dringend eindeutig zu regeln wäre. „Ein klares Bekenntnis zum Vorrang für das Bauen mit Holz hätten wir uns schon gewünscht – zumindest im Hinblick auf öffentliche Bauvorhaben. Schließlich ist das auf der Weltklimakonferenz von Paris definierte Ziel, die Erderwärmung auf maximal 2°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, nur noch mit größten Anstrengungen zu erreichen – wenn überhaupt…“, monierte Ahmed al Samarraie, Leiter des DHV-Hauptstadtbüros im Haus des Holzes in Berlin. Insofern betrachteten viele Tagungsteilnehmer/-innen die Ausführungen des Ministerialdirigenten als verpasste Gelegenheit, dem Klimawandel richtungsweisend entgegenzutreten durch eine offizielle Bekundung der Notwendigkeit, Bauvorhaben der öffentlichen Hand vorrangig mit Holz zu realisieren. Als Lichtblick indessen ist zu werten, dass viele Fördertöpfe aufgefüllt wurden, so dass KfW-Mittel für klimafreundliche Neubauten, genossenschaftliches Wohnen sowie Investitionszuschüsse für Barrierereduzierung und andere mehr ab sofort wieder beantragt werden können.

„Systembau, vorgefertigt, liegt in der DNA der Zimmerleute.“ (Holger Kappler, Präsident der Gruppe ZimmerMeisterHaus)

ZMH-Präsident Holger Kappler zeichnete ein ambivalentes Bild der derzeitigen wirtschaftlichen Situation am Bau: „Die Bauwirtschaft durchlebt zweifellos schwierige Zeiten. Die Bürokratie verselbständigt sich zusehends und bindet betriebliche Kapazitäten, die zur Wertschöpfung an anderer Stelle gebraucht würden. Weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen, sind die Verkaufszahlen unserer über 100 Holzbau-Manufakturen leider gesunken. Private Bauinteressenten halten sich zurück, weil eine wetterwendische Förderpolitik und die gestiegenen Darlehenszinsen viele Bauinteressenten verunsichern. Mit flauem Gefühl im Magen geht niemand den Bau eines Hauses frohen Mutes an.“, konstatierte er. In der Erweiterung des betrieblichen Leistungsangebots um serielles Sanieren von Bestandsgebäuden und vermehrten Holzmodulbau sieht ZMH-Präsident Kappler aber Chancen, die bundesweite Holzbauquote von derzeit 25,4 % bei Ein- und Zweifamilienhäusern bzw. 6 % bei Mehrfamilienhäusern weiter zu erhöhen. Wichtig sind ihm dabei die vertrauensvolle Zusammenarbeit der holzwirtschaftlichen Verbände sowie ein konstruktiver wechselseitiger Austausch unter den Mitgliedern, wie er auf der Frühjahrstagung in Berlin live zu erleben war.

„Netzwerken ist wichtig und wird immer wichtiger.“ (Thomas Elster, Vorstand 81fünf high-tech & holzbau AG)

Demut, Augenmaß und Optimismus sind nach den Worten von 81fünf-Vorstand Thomas Elster angesichts der gegenwärtigen Konjunktur angesagt: „Man soll nicht alles schlechtreden, sondern selbst die Ärmel hochkrempeln. Umso mehr, je schwieriger die Lage scheint.“, betonte er. Bei grundlegenden betrieblichen Entscheidungen bietet das Unternehmernetzwerk 81fünf fundierte Beratungsleistungen an. Das kann nur von Vorteil sein, lässt doch auch die derzeitige Situation der Bauwirtschaft vielfältiges Entfaltungspotenzial erkennen: Die deutsche Holzwirtschaft kann auf 3,7 Milliarden Kubikmeter Holzvorrat zurückgreifen. Das resultiert aus der Tatsache, dass rund ein Drittel der Fläche Deutschlands bewaldet ist, regelmäßig aber nur ein Teil des Baumbestands geerntet wird, ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgebots. Somit wächst der Holzvorrat in deutschen Wäldern Jahr für Jahr.

„Deutschland ist reich an natürlichen Ressourcen. Wenn wir Holz konsequent, mit gebotenem Sachverstand und Augenmaß verwenden, lassen sich jährlich 6,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen, vielleicht sogar mehr.“, betonte Elster.  In diesem Kontext lobte er die bundesweite Initiative des Deutschen Holzwirtschaftsrates (DHWR) "HOLZ RETTET KLIMA“. Deren Koordinatorin, Leony Dörr, betonte im Rahmen ihrer Präsentation in Berlin: Man kann gar nicht oft genug wiederholen, wie positiv die Auswirkungen des Bauens mit Holz für das Klima sind. Es geht darum, den Menschen in Deutschland zu verdeutlichen, warum für uns alle der Holzbau und das Umdenken bei der Wahl von Baumaterialien so wichtig sind. Es geht dabei um nichts Geringeres als den Klimaschutz, somit auch um den Erhalt unser aller Lebensgrundlagen.“

Schirmherr der Initiative ist Prof. Hans Joachim Schellnhuber, Gründer und langjähriger Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), einer der weltweit angesehensten universitären Einrichtungen im Bereich der Klimaforschung. Der renommierte Wissenschaftler geht davon aus, dass sich „… das Klima durch Holzbau reparieren“ lässt. Wenn das noch gelingen soll, wird es jedoch höchste Zeit, gemeinschaftlich, entschlossen und vor allem jetzt zu handeln; darin waren sich die Teilnehmer/-innen der Berliner Frühjahrstagung der drei Holzbauverbände einig.

Die Politik will nicht hören. Wir müssen Druck machen!“ (Erwin Taglieber, Präsident Deutscher Holzfertigbau-Verband)

Dass er sein Amt an der Verbandsspitze im Herbst zur Verfügung stellen und persönlich kürzertreten will, hat Erwin Taglieber schon früh angekündigt. So kann sich der DHV in Ruhe um eine geregelte Nachfolge kümmern. Das Berliner Plenum dankte ihm mit stehenden Ovationen für seinen unermüdlichen Einsatz für den Werkstoff Holz und den Holzfertigbau. „Wir haben Dir zu verdanken, dass das Bauen mit Holz seinem einstigen Nischendasein entwachsen ist und heute von der Politik, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit gleichermaßen be- und geachtet wird.“, würdigten 81fünf-Vorstand Thomas Elster und ZMH-Präsident Holger Kappler unter lang anhaltendem Applaus des Plenums Erwin Tagliebers Verdienste.   

Dem Holzbau Gehör zu verschaffen, ist dem gelernten Zimmermeister und amtierenden DHV- und DHWR-Präsidenten Erwin Taglieber seit jeher ein Herzensanliegen. Dementsprechend klar formulierte er auf der Berliner Frühjahrstagung seine Botschaft an die Branche und die Politik: „Ich sehe die Holzbaubranche derzeit zweigeteilt: Manche Betriebe müssen Mitarbeiter entlassen, während andere händeringend qualifizierte Fachkräfte suchen. Das misslungene Heizungsgesetz und der mehrmalige abrupte Fördermittelstopp haben die gesamte Bauwirtschaft in die Krise rutschen lassen. Mindestens 600.000 Wohnungen fehlen bundesweit. Dennoch ist der Auftragseingang bei vielen Betrieben besorgniserregend bescheiden. So kann es nicht weitergehen. Die Politik will offenbar nicht hören. Wir müssen Druck machen, auf dass es endlich neuen Schwung im gesamten Bausektor gibt! Wir brauchen wieder eine positive Aufbruchstimmung im Land. Der handwerkliche Holzfertigbau ist Vorreiter im Bewältigen der Klimakrise. Erste Mitgliedsunternehmen sind schon jetzt klimaneutral, alle anderen werden bis 2045 folgen. Das ist unsere Art, die Transformation der Bauwirtschaft hin zur angestrebten Klimaneutralität aktiv zu gestalten! Ich wünsche mir, dass die Politik das nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern durch kluge Weichenstellungen auch honoriert und unserem Beispiel folgt! Eine Fortsetzung des Hin-und-Her, begleitet von gelernten Fensterreden, ist in meinen Augen keine Strategie, die sich dieses Land noch länger leisten kann. Bei der Bewältigung der großen Aufgaben, die vor uns liegen, wünsche ich der Holzbaubranche allen erdenklichen Erfolg und den Unternehmen unserer Verbände alles Gute! Natürlich bleibe ich auch weiterhin am Ball, ab Herbst dann aber als normales Mitglied.“

Altes Haus – was tun?

„Nicht abreißen, sondern seriell sanieren!“, lautet die pragmatische Empfehlung von Ahmed al Samarraie, DHV-Vorstandsmitglied und Leiter des Arbeitskreises Serielles Sanieren. Druckfrische Exemplare des neuen DHV-Ratgebers „Serielles Sanieren / Qualitätssicherung und Wertsteigerung im Gebäudebestand“ lagen auf der Frühjahrstagung in Berlin für alle Mitglieder zum Mitnehmen aus. Daran mitgewirkt haben 20 Holzbau-Fachleute aus DHV-Mitgliedsunternehmen, die sich mit dem Marktpotenzial, den Chancen und Risiken sowie der konkreten Umsetzung in der betrieblichen Praxis befassen. Von Praktikern für Praktiker geschrieben – und daher jedem Holzbauunternehmer zu empfehlen. Es gilt, die Dekarbonisierung des Gebäudesektors zu forcieren und die Sanierungsquote deutlich zu erhöhen. Im öffentlichen Sektor beträgt die aktuelle Quote gerade einmal 0,8 % – das ist so gut wie nichts! Der Staat muss endlich mit gutem Beispiel vorangehen und das Vergaberecht praxisgerecht gestalten. Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene brauchen eine sofortverständliche Handreichung, wie mit sanierungsbedürftigen Objekten zu verfahren ist. „Wir wissen, dass etwa jedes vierte städtische Gebäude mit Flachdach für eine Aufstockung in Frage kommt. Wenn es gilt, Flächenversiegelung zu vermeiden, ist die Nutzung der Baulandreserve auf dem Dach ein sinnvoller Weg. Klimaschonender, als alte Bausubstanz abzureißen. Erhalten, aufwerten und umnutzen ist das Gebot der Stunde! Der Holzbau kennt hierfür eine Vielzahl praktikabler Umsetzungen, ob mit vorgefertigten Elementen oder komplett ab Werk ausgestatteten Modulen.“, erläuterte Ahmed Al Samarraie.

Dies konnte Wolfgang Schäfer, Leiter Technik im DHV, nur unterstreichen. Mit einem leidenschaftlichen Vortrag begeisterte er für bauphysikalische Details des Holzbaus. In Berlin richtete sich sein Augenmerk auf grundsätzliche Aspekte der Normung. „Normen geben Antworten auf die Frage: Wie geht’s richtig? Sicher? Sachgerecht? Sie müssen laufend aktualisiert werden, um für die Praxis zu taugen – weshalb ein Normenmoratorium prinzipiell abzulehnen ist. Die angestrebte Holzbaurichtlinie bewirkt eine Standardisierung im Holzbau und wird somit zur Grundlage für eine eigenständige Bauart. Es liegt daher in unserem Interesse, dass die Musterholzbaurichtlinie Ende des Jahres in Kraft tritt.“, führte Schäfer aus und stellte somit den Zusammenhang zwischen theoretischem Regelwerk und praktischer Umsetzung her.  

Weitere Informationen über die Frühjahrstagung und zeitgemäßes Bauen mit Holz finden sich im Internet auf https://d-h-v.de, https://www.81fuenf.de sowie https://www.zmh.com

 

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