Die vorläufigen Zahlen für den August 2021 zeigen einen Anstieg der Verbraucherpreise im Euroraum von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wurde der höchste Wert seit 2011 erreicht und viele Anleger treibt erneut die Sorge um, dass eine ausufernde Inflation großes Unheil für die Kapitalmärkte heraufbeschwören könnte.

Deutschland stehe dabei im Mittelpunkt der anhaltenden Inflationssorgen. Zu dieser Überzeugung kommt Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments. Bereits am Montag hätte das Statistische Bundesamt eine Inflationsrate von 3,9 Prozent vermeldet. „Neben einer breit auftretenden Verteuerung der Energiepreise wiesen Analysten hierzulande vor allem auf die wohlbekannten Lieferkettenprobleme hin,“ so Grüner „Diese wirken sich in der Industrie negativ auf die Produktionsmenge aus und treiben die Preise in die Höhe, da das begrenzte Warenangebot eine Konkurrenzsituation für die Abnehmer schafft.“ Angesichts dieser anhaltenden Probleme würden viele Analysten den Punkt erreicht sehen, an dem der Inflationsanstieg nicht mehr als „vorübergehend“ bezeichnet werden kann.

Inflationsängste relativieren

„Vorübergehend“ bedeute auch nicht, dass eine aktuelle Problemstellung bereits morgen behoben sein muss – es handele sich viel eher um ein zeitlich begrenztes Phänomen. „Aktuelle Engpässe implizieren nicht, dass die Preise Monat für Monat ansteigen,“ analysiert Grüner. „Beispielsweise haben viele Hersteller in der deutschen Autoindustrie aufgrund des Halbleitermangels ihre Arbeitsschichten reduziert, was einigen Unternehmen einen zweistelligen prozentualen Rückgang bei den Neuwagenauslieferungen bescherte.“ Würde sich die Produktion in den nächsten ein oder zwei Jahren auf einem relativ konstanten Niveau bewegen, könnten in der Zwischenzeit neue Halbleiter-Produktionsstätten entstehen und das globale Angebot somit ausweiten. Diese Entwicklung würde demnach natürlich keinen exponentiellen Preisanstieg nach sich ziehen, sondern die Lieferengpässe als Einmaleffekte entlarven. Diese würden sich in einer Jahresbetrachtung niederschlagen. „Sobald sie jedoch aus dem Zeitfenster fallen, gestalten sich die Inflationsraten wieder moderater“, sagt Grüner.

Diese Argumentation basiere auf der stark vereinfachten Annahme, dass sich alle anderen Einflussfaktoren nicht verändern – was Grüner zufolge in der Realität niemals so auftrete: „In den USA konnte man jedoch bereits beobachten, dass riesige Preiserhöhungen nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden sollten,“ so Grüner. „Gerade wenn sie von der Angebotsseite getrieben werden.“ Der Halbleitermangel wirke sich auch in den USA heftig auf die Neuwagenproduktion aus, weshalb viele Käufer auf den Gebrauchtwagenmarkt auswichen. Diese erhöhte Nachfrage habe die Preise dynamisch nach oben getrieben. Die Gebrauchtwagen-Komponente in der US-Inflation sei im April 2021 auf Monatssicht um 10,0 Prozent angestiegen, weitere 7,3 Prozent im Mai und 10,5 Prozent im Juni. Allerdings stabilisierten sich die Gebrauchtwagenpreise im Juli und erhöhten sich nur noch um 0,2 Prozent. Auf Jahressicht ständen zwar gewaltige 41,7 Prozent zu Buche, neuer Preisdruck sei laut Grüner dennoch nicht zu vermuten.

Fazit

„Lieferkettenprobleme belasten unter Umständen den Geldbeutel, aber sie qualifizieren sich nicht als ‚echte Inflation‘ “, so Grüner „Eine breit angelegte Inflation beeinflusst die Preisbildung in der gesamten Wirtschaft und trifft Güter und Dienstleistungen gleichermaßen.“ Preise würden über einen langen Zeitraum stetig in die Höhe getrieben – wie in den 1970er Jahren. Diesen Zustand könnte eine Zentralbank mit ihrer Geldpolitik bekämpfen – es läge allerdings nicht in der Macht einer Zentralbank, temporäre Verzerrungen des Verbraucherpreisindex zu verhindern.

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Über Grüner Fisher Investments

Grüner Fisher Investments (GFI) ist eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit eigenem Ermessensspielraum, die vorwiegend vermögende Privatpersonen und Familien in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreut. Grüner Fisher Investments ist Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) und ist ein durch die BaFin lizensiertes und beaufsichtigtes Institut. GFI wurde als Top-Vermögensverwalter von Capital (2019), als Top-Arbeitgeber im Mittelstand (2019) von Focus und als "Great Place to Work" (2020, 2021) von Great Places to Work ausgezeichnet. Das Unternehmen ist eine deutsche Tochtergesellschaft von Fisher Investments in den USA, einem der größten unabhängigen Vermögensverwalter der Welt. Zum 31.03.2021 verwaltete Fisher Investments und seine Tochtergesellschaften ein Vermögen von über 143 Mrd. EUR – über 93 Mrd. EUR für nordamerikanische Privatanleger, 34 Mrd. EUR für institutionelle Anleger, 14 Mrd. EUR für europäische Privatanleger und 1 Mrd. EUR für die Altersvorsorge kleiner und mittlerer Unternehmen in den USA. Fisher Investments unterhält vier Hauptgeschäftsgruppen: US Private Client, Institutional, Private Client International und 401(k) Solutions, die einen globalen Kundenstamm bedienen. Der Gründer und Executive Chairman von Fisher Investments, Ken Fisher, schrieb von 1984 bis 2016 die Forbes-Kolumne "Portfolio Strategy" und ist damit der am längsten ununterbrochene Kolumnist in der Geschichte der Zeitschrift. In den letzten Jahren erschienen Ken Fishers Kolumnen durchgängig in den wichtigsten Medien in fast allen westeuropäischen Ländern, einschließlich Focus Money in Deutschland, sowie in wichtigen asiatischen Ländern, und damit in mehr Ländern und mit mehr Umfang als jeder andere Kolumnist in der Geschichte. Fisher ist außerdem Autor von 11 Büchern, darunter vier New York Times-Bestseller zum Thema Finanzen und Investieren.

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