Zumeist kommen große Krisen nicht einfach so aus heiterem Himmel. Es gibt Vorboten, unheilvolle Entwicklungen und vertane Chancen, rechtzeitig einzulenken. Es ist meist auch der Komplexität der Zusammenhänge geschuldet, dass das Unausweichliche passiert: Die Wirtschaftskrise oder wenn wieder mal eine Blase platzt. Vor großen Unglücken und Katastrophen blieb die westliche Welt seit dem II. Weltkrieg bisher verschont. Der Brexit selbst galt als handlebar, ohne dass die EU in größere Nöte fallen sollte.

Corona-Krise


Mit Corona-Pandemie hat sich das schlagartig geändert. Bereits bestehende Probleme und Engpässe machten sich vor allem in der Logistik bemerkbar. Lieferketten wurden unterbrochen, die Versorgung der Bevölkerung konnte nur mit logistischen Notlösungen aufrechterhalten werden. Für die Versandlogistik war das Jahr 2020 nahezu ein ganzjähriges Leistungsaufkommen wie zu Weihnachten sonst.

So langsam wird es wohl jedem klar, dass die aktuelle Situation keine vorübergehende ist. Dass die bereits vollzogenen Veränderungen von Dauer sein werden und zum Standard übergehen.

Bei manchen aber scheint noch die verzweifelte Hoffnung vorzuliegen, dass das nur ein Gewitter ist, das vorüber gehen und dann alles wie bisher weiterlaufen wird. Wer so denkt, der irrt und verliert wertvolle Zeit gegenüber dem Wettbewerb.

Marketing-Krise

Budgets wandern vermehrt in Richtung Bezahl-Ads zu Google & Co. Wer ehrlich ist, weiß, dass ein ROAS (Return on Advertising Spendings) von 600 % im Bereich Social Media für viele Utopie ist. Wenn Agenturen einen ROAS von 150 % als Erfolg feiern, dann ist das Augenwischerei.

Wenn ich mit einem Werbeeinsatz von 5.000 Euro einen Umsatz von 7.500 Euro erziele (150 % ROAS), dann sind da nun mal noch nicht die Kosten der Ads-Werbagentur darin einberechnet, ebenso die eigenen weiteren Kosten wie Löhne, Miete, Einkauf etc. Selbst ein ROAS von 300 % ist unbefriedigend. Alles darüber ist schwer zu finden. Die großen Gewinner “unserer” Werbekampagnen und Kontaktanbahnungen sind letztendlich die Social Media Giganten Facebook & Co.

Erschreckend ist auch zu sehen, dass viele ihr Marketing über Social Media verstärken, ihre Kunden dahin leiten. Was nichts anderes bedeutet, dass man seine Kunden mit Facebook & Co. teilt und somit auch dem Wettbewerb preisgibt. Viele sind sich diesen Fehler nicht bewusst und betreiben das Funnel-Marketing genau falsch herum. Viele vergessen, dass genau diese Daten, die Kundendaten und deren Kontakte, deren Verhalten und Interaktionen das Kapital ist, das die Social Media Global Players optimal für sich zu nutzen wissen: Mit Werbung, auch mit Werbung unserer Wettbewerber.

Fulfillment-Krise bei Amazon

Bei Amazon muss man sich auch im Klaren sein, in welche Nachbarschaft man sich befindet. Auf Amazon werden chinesische Online-Händler immer dominanter. Auch auf dem deutschen Amazon-Marktplatz steigt die Zahl der China-Händler deutlich. Laut einer aktuellen Analyse des US-Unternehmens Marketplace Pulse sind zum ersten Mal chinesische Online-Händler auf Amazon.com in der Überzahl. Unter den 10.000 Top Sellern auf Amazon sind 49 Prozent in China beheimatet und nur 47 Prozent in den USA.

Fulfillment-Probleme

Schon vor Corona-Pandemie machte sich eine neue Entwicklung bemerkbar. Dank dem technologischen Fortschritt und den wachsenden Anforderungen an den E-Commerce durch seine “ungeduldigen” Kunden ist das Same-Day-Delivery Konzept immer mehr in den Fokus gerückt. Ebenso die Machbarkeit. Same-Day-Delivery ist eine Form eines Kurier-Express-Paket-Dienstes, der Pakete schneller im Idealfall innerhalb eines Kalendertages oder in einem geplanten Zeitfenster zustellt. Obwohl Same-Day-Delivery in Westeuropa bis 2020 ein Volumen von drei Milliarden Euro prognostiziert wird, wird aufgrund der höheren Kosten und der Sparsamkeit der Kunden bis jetzt noch nur ein Nischenmarkt erwartet. Durch die Corona-Pandemie wird sich das jedoch nachhaltig ändern und beschleunigen.

Vor allem die geschlossenen Läden während der Pandemie haben sehr schnell gezeigt, wo die großen Schwachpunkte unseres E-Commerce liegen. Während viele Dinge des Alltags zwar online bestellbar sind, sind diese aber noch lange nicht auch im “schnellen” Versand verfügbar. Mehrere Tage sind keine Seltenheit. Auch ein Abholservice vor Ort ist, wenn, dann zum größtenteils nur rudimentär vorhanden. Ob Drive-In, Click & Collect oder Verkaufsautomaten, alles musste in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft werden. 

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