Das Fachpublikum der Cleanzone-Konferenz hat entschieden: Das Projekt „Funktionale Ausrüstung von Textilien zur Inaktivierung von Mikroorganismen um 5 Log-Stufen“ wurde für seine Innovativität mit dem Cleanzone Award 2020 ausgezeichnet.

„Das Projekt ist für viele Branchen relevant, weil sich umweltfreundliche, antimikrobiell wirkende Textilien nicht nur für den Einsatz in Reinräumen eignen, sondern auch großes Potenzial für den Gesundheitsbereich sowie stark frequentierte öffentliche Räume aufweisen“, freut sich Josef Ortner, Geschäftsführer der Ortner Reinraumtechnik GmbH. „Die Auszeichnung mit dem Cleanzone Award 2020 verdeutlicht, wie wichtig Nachhaltigkeit auch in diesen Bereichen geworden ist.“


Farbstoff erzeugt unter Lichteinwirkung Singulettsauerstoff, der Keime unschädlich macht

Textile Bekleidungen bieten aufgrund ihrer Oberflächenstruktur einen idealen Nährboden für die mikrobielle Keimbildung. Daher werden Textilien für den medizinischen oder technischen Bereich mit Fungiziden oder Bakteriziden ausgerüstet. Bisherige Verfahren stellen eine hohe Umweltbelastung dar und sind gesundheitlich bedenklich. Eine Alternative zu diesen bisher üblichen antimikrobiellen Ausrüstungen stellt die Nutzung der photodynamischen Inaktivierung (PDI) von Bakterien dar. Der physikalische Mechanismus beruht auf der Wirkung von Licht im sichtbaren Spektrum auf einen als Photosensibilisator wirkenden Farbstoff unter Anwesenheit von Sauerstoff und der daraus folgenden Generierung von Singulettsauerstoff.

Durch die Funktionalisierung von textilen Flächengebilden mit speziellen Farbstoffen wird es möglich, unter Belichtung hochreaktiven Singulettsauerstoff zu erzeugen. Singulettsauerstoff (1O2)

  • wirkt hoch effizient gegen Bakterien, Schimmelpilze, Algen
  • und ist dabei völlig schadstofffrei und ohne Umweltbelastung
  • sowie ohne Ausbildung von Resistenzen z. B. gegen Antibiotika.

Die Erzeugung von Singulettsauerstoff ist die effizienteste und schonendste antimikrobielle Ausrüstung, die auch gegen Viren und multiresistente Keime aktiv ist. Die Funktionalisierung des textilen Trägermaterials erfolgt mit verschiedenen konventionellen Textilveredlungsverfahren. Zur Färbung kann beispielsweise eine Imprägnierung im Foulardverfahren durchgeführt werden. Dafür wird der spezielle Farbstoff (Photosensibilisator) in einem Bindersystem mit weiteren Textilhilfsmitteln gelöst und mittels Färbefoulard auf das Trägermaterial aufgebracht. Zur Verbesserung der Gebrauchsechtheiten wird überschüssiger, unfixierter Farbstoff in einem kontinuierlichen Waschprozess entfernt. Mit diesem Färbeverfahren ist es erstmals möglich, funktionelle Farbstoffe, die bei Tageslicht ausreichend Singulettsauerstoff für eine antimikrobielle Wirkung erzeugen, an das textile Trägermaterial permanent anzubinden.

Über den Cleanzone Award

Der Cleanzone Award würdigt Menschen und ihren unternehmerischen Mut, Dinge anders als bisher anzugehen. Prämiert werden wegweisende Fortschritte hinsichtlich Innovation, Nachhaltigkeit und Effizienz im Bereich der Reinraumtechnologie. Er wird im Rahmen der „Cleanzone“, einer internationalen Fachmesse für Kontaminationskontrolle und Reinraumtechnologie, vergeben. Die Messe fand in diesem Jahr erstmals digital statt.

Über den Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland e.V.

Als wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung ist das TITV Greiz Partner für Aufgaben der Forschung, Entwicklung, Dienstleistung, Beratung, Prüfung und Weiterbildung entlang der textilen Wertschöpfungskette. Mit über 60 Mitarbeitern wird an High-Tech-Lösungen gearbeitet, bei denen die klassische Textiltechnologie Basis für neue Materialien, smarte Produkte und Prozesse ist. Besonders durch die Kombination von Elektronik und Textilien werden gezielt innovative Produkte für völlig neue Einsatzgebiete entwickelt. Zur praxisnahen Durchführung der Forschungs- und Entwicklungsleistungen verfügt das Institut neben Technika der textilen Verarbeitungskette über ein Elektroniklabor, ein Smart Textiles Lab und ein akkreditiertes Prüflabor.

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