Die Zahl der Gemeinsamkeiten zwischen Peking und Torgau ist sicher überschaubar. Eine aber gilt als gesichert: In beiden Städten ist AVANCIS ein Begriff. Denn das Technologie-Unternehmen in der Solarstraße gehört nicht nur zum riesigen CNBM-Konzern mit Sitz in der chinesischen Hauptstadt. AVANCIS belegt zudem sehr wahrscheinlich eine Schnellwahltaste auf dem Büro-Telefon von CNBM-Chairman Song Zhiping. Der Konzernlenker ist sich der technologischen Möglichkeiten der Torgauer sehr bewusst und greift darauf zurück, wenn spektakuläre Ideen realisiert werden sollen. Zuletzt formten die Torgauer Ingenieure eine begehbare Skulptur auf Grundlage der Solarmodule der Skala-Serie. Nachdem die 4,5 Meter hohe und 11 Meter lange Installation zu einem der Publikumsmagneten auf der CIIE, der von Präsident Xi Jinping ins Leben gerufene größte Importmesse Chinas avancierte, soll sie nun ab 15. Mai auf Europas größter Branchenmesse Intersolar für Hochtechnologie „Made in Torgau“ werben.

Zentrale an der Elbe

Aus Torgau! „AVANCIS strebt von Torgau aus in die Welt, nicht von Frankfurt oder Hamburg“, betont Jochen Weick, bei AVANCIS für Vertrieb und Geschäftsfeldentwicklung zuständig. Er betont es deshalb, weil es etwas Besonderes ist, dass ein High-Tech-Unternehmen seinen Firmensitz im Osten der Republik hat. „Oftmals ist es doch so, dass die Unternehmen in den alten Bundesländern sitzen und hier nur die Werkbänke stehen“, meint Weick. Bei Kundengesprächen habe er deshalb immer einiges zu erzählen. Am liebsten spricht er jedoch über das Produkt aus der Renaissancestadt, mit dem AVANCIS aktuell für Furore sorgt. Die Skala-Solarmodule sind eine Symbiose aus Technologie und Ästhetik und treffen zudem genau den Zeitgeist: Mit ihnen können komplette Fassaden gestaltet werden, die anschließend Strom produzieren. Die Torgauer Module sind dank der in München und Torgau entwickelten Technologie dünn und damit leicht, sie haben keinen Rahmen und lassen sie daher fast nahtlos zusammenfügen, außerdem können verkürzte Module hergestellt werden. Der eigentliche Clou ist aber: Skala-Module gibt es in verschiedenen Farben. Die AVANCIS-Ingenieure in Torgau haben ein Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe nur gewünschte Anteile des Lichts von Skala reflektiert werden. „Das hat zudem noch den Effekt, dass die Module zu leuchten beginnen, wenn sie angestrahlt werden“, schwärmt Jochen Weick.


Der Job für ihn und sein Team ist es aktuell, die Möglichkeiten von Skala weltweit bekannt zu machen. Denn nur Architekten die um dieses Produkt wissen, das aus dem Forderungskatalog der Fridays-For-Future-Bewegung stammen könnte, können auch ihre Kunden davon überzeugen. Den Torgauern von AVANCIS ist aber klar, Skala wird ein Premium-Produkt bleiben, „nichts, mit dem jemand hektarweise Felder zustellt“, weiß Jochen Weick. Eine Fülle an Projekten sind bereits in der Realisierung. Ganz frisch geschlossen ist die Kooperation mit einem französischen Baukonzern, der die Solarfassaden in sein Repertoire aufnimmt.

Mit Begeisterung

Die Begeisterung, mit der Jochen Weick von Skala schwärmt, ist nicht untypisch für AVANCIS. „Wir sind dabei, wo Fortschritt entsteht“, sagt Dr. Iris Didschuns. Als Senior-Manager Engineering hat sie die Verantwortung dafür, dass die Module am Ende das leisten, was sie leisten sollen. Seit 2012 ist die promovierte Physikerin im Unternehmen, ihr unterstehen 40 Ingenieure und Techniker. An der Weiterentwicklung der CIGS-Technologie zu arbeiten, sei für sie und viele der Kollegen eine faszinierende Aufgabe. „Es gibt im Unternehmen eine hohe Identifikation mit dieser fortschrittlichen Technologie“, weiß sie, sodass inzwischen auch internationale Spezialisten gezielt nach Torgau kommen, um hier zu arbeiten. Menschen aus zehn Nationen sind derzeit bei AVANCIS angestellt. Tendenz steigend. „Wir sind ein weltoffenes Unternehmen“, hält Daniel Zinner fest. Der Head of Human Ressources (HR) von AVANCIS setzt bei der Rekrutierung aber auch stark auf Menschen aus der Region. Diese, so Zinner, tragen mit ihren Leistungen nicht nur zur Erreichung der wirtschaftlichen Ziele des Unternehmen bei. „Sie sind es auch, die die Verwurzelung von AVANCIS in der Region vorantreiben.“ Sie seien Botschafter und Botschaft zugleich: Wer in einem spannenden Technologie-Unternehmen arbeiten will, muss nicht bis nach Leipzig oder Dresden pendeln, sondern findet einen waschechten Global Player direkt vor der Haustür.

Know-how als Exportgut

Operatoren, Ingenieure und Techniker von AVANCIS haben sich in den vergangenen Jahren in Torgau und München Wissen angeeignet, das inzwischen selbst zu einem Exportartikel geworden ist. In München findet die Grundlagenforschung für höhere Wirkungsgrade der Module statt. In Torgau entstehen die Produkte für die Fassadenanwendung in der Produktentwicklung und Produktion wie auch die Planung und Umsetzung der neue Fabriken in China. China ist schließlich der Ort, an dem die Fabriken im Gigawatt-Maßstab nach Torgauer Blaupausen errichtet werden. Für den Erfolg braucht es Beratung und Begleitung aus Torgau. Im Bau sind aktuell übrigens die Fabs V und VI.

Um den Anforderungen in China künftig noch besser gerecht werden zu können, baut AVANCIS aktuell einen neuen Standort in Shanghai auf. Von dort aus sollen künftig bis zu 40 Kolleginnen und Kollegen die Errichtung und das Anfahren von Werken mit AVANCIS-Technologie begleiten. Torgauer Unternehmen eröffnet Niederlassung in Shanghai – eine Schlagzeile, die der Bekanntheit der Elbestadt sicher nicht abträglich sein wird.

Sebastian Stöber

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