Am Theater der Stadt Aalen werden Roboter zu Schauspielern. Die Roboter wurden für ihre Abschlussarbeiten von Markus Knödler und Andreas Stelzer an der Hochschule Aalen programmiert. Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen an der Hochschule und im alltäglichen Leben eine Rolle von wachsender Bedeutung. Das Theater der Stadt Aalen befasst sich in seiner Neu-Inszenierung von Goethes „Faust“ damit. Am kommenden Samstag wird das Stück wieder in den Spielplan aufgenommen.

Andreas Stelzer programmierte einen Industrieroboter und gab ihm beinahe zärtliche, zutrauliche Bewegungsabläufe, die man dem spröden Gerät nicht zutraut. „Es war wichtig, die Ansprüche des Theaters zu erkennen und sich einzufühlen“, berichtet Stelzer über die Zusammenarbeit und ergänzt: „Wir mussten verstehen, dass der praktische Nutzen der Technik hier weniger im Vordergrund steht als die Ästhetik.“ Diese erarbeitete der Maschinenbau-Student in Zusammenarbeit mit Regisseur Marko Timlin. „Er hat ein künstlerisches Auge und konnte mir sagen, wann die Bewegungen weicher werden mussten.“ Für diese ersann Stelzer Programme, die von der Regieassistentin während der Vorstellung per Knopfdruck abgerufen werden können.

Stelzer selbst steuert während der Aufführung den vierrädrigen Roboter mit Spiegelbox-Aufbau, den Markus Knödler programmiert hatte. In seiner Bachelorarbeit brachte der Informatik-Student den Roboter dazu, sich ferngesteuert über die Bühne zu bewegen. „Das harmonische Zusammenspiel zwischen Roboter und Schauspielerin ist besonders wichtig“, erinnert sich Knödler an die Arbeit im Theater. Andreas Stelzer ist beim Steuern ganz in seinem Element. „Ich habe als Kind Erfahrungen mit Modellbau gemacht und kannte mich mit ferngesteuerten Autos aus“, sagt Stelzer und ergänzt lächelnd: „Das Steuern des Roboters fiel mir leicht.“


Digitalisierung – Gefahr oder Chance?

Prof. Dr. Ulrick Klauck und Prof. Dr. Markus Kley betreuten die Abschlussarbeiten. „Ich traf mich im Sommer 2016 mit Timlin und wir redeten über Digitalisierung und deren politische und gesellschaftliche Auswirkungen“, erinnert sich Klauck. Kley hält fest: „Timlin wollte Industrie 4.0 ins Theater bringen und als Mensch 4.0 inszenieren.“ Bei der Frage, ob die Digitalisierung ähnlich wie im Stück als Bedrohung gesehen werden muss, sind die Professoren sich einig. „Die Digitalisierung ist unvermeidbar. Durch einen verantwortlichen Umgang mit ihr überwiegen aber die Vorteile für die Gesellschaft“, erklärt Klauck. Kley ergänzt: „Als Ingenieure generieren wir Lösungen, um die Sicherheit im Umgang mit Maschinen zu gewährleisten. Wir entwickeln im Zuge der Digitalisierung Technologien, die sicher sind und dem Menschen dienen.“

„Das Faust-Experiment“ wird nach der Premiere im vergangenen Herbst jetzt wieder am Theater der Stadt Aalen gespielt. An den ersten beiden März-Wochenenden ist die Inszenierung von Marko Timlin und Tonio Kleinknecht zu sehen. Termine, Tickets und Informationen zum Stück unter: www.theateraalen.de.

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