LiquidSense, ein gemeinsames Projekt von Rico Minich, Felix Schattner und Klaas von Kamp, geht deshalb einen anderen Weg: Die drei angehenden Techniker der TEUTLOFF Akademie Braunschweig entwickeln ein wiederverwendbares, intelligentes Trinksystem, das Getränke kontinuierlich überwachen und bei auffälligen Veränderungen warnen soll. Was als technische Projektarbeit begann, entwickelte sich über einen ersten elektrochemischen Prototyp zum Siegerprojekt der New Automation Challenge. Auf dem Weg zum ersten Machbarkeitsnachweis stellte EKTechnologies dem Team als Distributor des Herstellers PalmSens B.V. die passende Messtechnik für den ersten elektrochemischen Versuchsaufbau zur Verfügung: den Potentiostat EmStat Pico.
Einen zusätzlichen Entwicklungsschub erhielt LiquidSense durch den Gewinn eines Platzes in der Startup Akademie Wachstum und Innovation, kurz W.IN, in Braunschweig. Dort arbeitet das Team neben der technischen Weiterentwicklung auch an Geschäftsmodell, Finanzierung, Kooperation und Gründung.
Welche Vorteile LiquidSense gegenüber bisherigen K.-o-Tropfen-Tests bietet und wie es damit weitergehen soll, erläutern Rico Minich, Felix Schattner und Klaas von Kamp im Interview.
Tests auf K.-o.-Tropfen für Getränke gibt es bereits, zum Beispiel in Form von Teststreifen oder Armbändern. Warum habt ihr mit LiquidSense noch einen Test entwickelt?
Rico Minich: Der entscheidende Punkt ist, dass aktuelle Lösungen, wie Teststreifen immer nur eine Momentaufnahme bieten. Um halbwegs sicher zu sein, müsste man also immer wieder aktiv testen. Schließlich kann ja jemand zwischendrin etwas in den Drink getan haben.
Was macht ihr also anders?
Felix Schattner: Unser Ansatz ist, dass Nutzende beim Ausgehen und Feiern nicht immer wieder selbst daran denken müssen, ihr Getränk zu testen. Im Grunde soll der Becher selbst auf das Getränk aufpassen. Der Becher soll ein stiller Begleiter für den Abend sein, der den Drink kontinuierlich beobachtet und warnt, wenn etwas Auffälliges passiert.
Wie soll das System funktionieren?
Klaas von Kamp: Teststreifen sprechen auf einzelnen Substanzen oder Stoffgruppen an. Das ist zum einen ein sehr breites Spektrum, zum anderen kommen immer wieder neue Substanzen hinzu. Wir gehen darum einen anderen Weg: Das System soll erkennen, wenn sich das Getränk auffällig verändert und dann warnen, beispielsweise durch ein optisches Signal, einen LED-Ring am Becher. Die entscheidende Information lautet also zunächst nicht: Das ist Substanz XY. Sondern: Mit deinem Getränk ist etwas passiert, trink es vorsichtshalber nicht mehr.
Ihr habt, um aus der Idee einen ersten elektrochemischen Prototypen zu entwickeln, einen EmStat Pico von PalmSens genutzt, den euch EKTechnologies als PalmSens-Distributor zur Verfügung gestellt hat. Wofür habt ihr den gebraucht?
Rico Minich: Unsere Idee war, durch elektrochemische Sensorik Veränderungen im Getränk zu messen, wie sie entstehen, wenn jemand was hineinschüttet. Eine Elektrode erfasst dabei die minimalen elektrischen Signale, die entstehen, wenn sich das Getränk verändert. Entscheidend, um diesen Ansatz für einen Test auf K.-o.-Tropfen anwenden zu können, ist, Substanzzugaben von normalen Veränderungen durch Umrühren oder Bewegung unterscheiden zu können. Dafür brauchten wir geeignete Messtechnik.
Felix Schattner: Bei unseren Recherchen sind wir auf den EmStat Pico von PalmSens gestoßen. EKTechnologies als Distributor für PalmSens hat uns das Gerät ganz unkompliziert für das Projekt bereitgestellt. Der EmStat Pico war das Herzstück unseres ersten elektrochemischen Versuchsaufbaus und damit eine wichtige Grundlage für den Machbarkeitsnachweis.
Inwiefern?
Klaas von Kamp: Wir haben damit in strukturierten Messreihen untersucht, ob sich Substanzzugaben zuverlässig von den „normalen“ Veränderungen unterscheiden lassen. Dafür haben wir auf Basis unserer Messdaten einen Auswertealgorithmus entwickelt.
Rico Minich: Das zentrale Ergebnis für unser Projekt ist, dass es technisch möglich ist, eine Substanzzugabe in Echtzeit von den „normalen“ Störungen zu unterscheiden. Das zeigt: Ein Getränk lässt sich sensorisch überwachen, Veränderungen können messbar gemacht und mithilfe eines Auswerteverfahrens von normalen Einflüssen unterschieden werden. Genau diese Verbindung aus Sensorik, Messung und automatischer Auswertung war für uns der entscheidende Schritt vom Konzept zum funktionierenden Proof of Concept.
Wie geht es mit LiquidSense weiter?
Felix Schattner: Unser erster elektrochemische Aufbau war nicht als fertiges Produkt gedacht. Vielmehr hat er die Erkenntnisse geliefert, auf denen die weitere Entwicklung aufbauen konnte. Für die weitere Produktentwicklung verfolgen wir inzwischen einen neuen Sensoransatz. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Miniaturisierung und die vollständige Integration der Technik in den Becher.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit geeigneten Kooperationspartnern. Gerade für zusätzliche Tests und die weitere Validierung der Technologie spielt der Austausch mit Hochschulen, Laboren und anderen fachlichen Partnern eine wichtige Rolle. Gleichzeitig möchte das Team die Grenzen und Einsatzmöglichkeiten des Systems noch genauer untersuchen und so die technische Entwicklung gezielt vorantreiben.
Klaas von Kamp: LiquidSense ist nicht als Einwegtest gedacht. Wir wollen ein wiederverwendbares System schaffen, das sich beispielsweise in Clubs, Bars oder auf Festivals einsetzen lässt. Becher könnten ausgegeben, zurückgegeben und erneut verwendet werden. Langfristig soll daraus ein alltagstaugliches, intelligentes Trinksystem entstehen, das sich möglichst unauffällig in den Abend integrieren lässt, das Getränk kontinuierlich überwacht und so den Nutzer über den ganzen Abend begleitet und schützt. Die nächsten Monate sind für uns da, um Marktreife zu erreichen.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin mit LiquidSense.
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