In den deutschen Städten hat ein Thema binnen eines Jahres seinen Rang mehr als verdoppelt. Das Deutsche Institut für Urbanistik veröffentlichte am 12. Juni 2026 sein jährliches Barometer der Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister (OB), eine Befragung der Rathausspitzen von Städten ab 50.000 Einwohnern. Danach zählen 14 Prozent der Befragten Smart City, Breitbandausbau und Verwaltungsdigitalisierung zu den aktuell wichtigsten Aufgaben ihrer Stadt. Im Jahr 2025 waren es 6 Prozent der Nennungen. Wie eine einzelne Organisation ihren digitalen Umbau anlegt, beschreibt ein Bericht über die digitale Transformation einer Hochschule.

Wo die Stadtspitzen im Jahr 2026 den größten Handlungsbedarf sehen

Die Rangfolge der Handlungsfelder beginnt unverändert mit dem Geld. Laut dem OB-Barometer 2026 nennen 78 Prozent der befragten Rathausspitzen die Kommunalfinanzen als dringendste Aufgabe der eigenen Stadt. Der Abstand zum nächsten Thema beträgt mehr als 40 Prozentpunkte.

Erst dahinter folgen die klassischen Bauaufgaben. Der Wohnungsbau kommt auf 36 Prozent der Nennungen, die Stärkung der Wirtschaft auf 35 Prozent. Klimaschutz, Energiepolitik und Wärmewende zählen nur noch 22 Prozent der Befragten zu den aktuell wichtigsten Feldern, nach 30 Prozent im Vorjahr.

Die Erhebung arbeitet ohne Antwortvorgaben. Die Befragten nennen ihre Themen frei, Mehrfachnennungen sind möglich, und genau deshalb ist ein Zuwachs von 6 auf 14 Prozent bei einem einzelnen Stichwort ein deutlicher Ausschlag. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Urbanistik führte das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap die Interviews vom 14. Januar bis zum 2. April 2026. Von 195 eingeladenen Rathausspitzen beteiligten sich 121, das entspricht einer Quote von 62,1 Prozent.

Wie stark die Verwaltungsdigitalisierung als Handlungsfeld gewachsen ist

Der Sprung von 6 auf 14 Prozent hat einen erkennbaren Hintergrund. Die Stadtspitzen verbinden mit digitalen Vorhaben die Erwartung, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen. Das Thema wird damit nicht als Technikprojekt geführt, sondern als Antwort auf knappe Personal- und Sachmittel.

Im Zukunftsbild verschiebt sich die Reihenfolge noch einmal. Für die kommenden fünf Jahre bleibt die Finanzlage mit 64 Prozent der Nennungen an erster Stelle, gefolgt vom Wohnungsbau mit 33 Prozent und der Stärkung der Wirtschaft mit 32 Prozent. Die Infrastruktur erreicht 17 Prozent, digitale Vorhaben kommen auf 15 Prozent.

Bemerkenswert ist die Gegenrichtung bei einem anderen Thema. Klimaanpassung und Nachhaltigkeit halten nur noch 25 Prozent der Stadtspitzen für künftig besonders wichtig, obwohl im Vorjahr mehr als 40 Prozent der Befragten mit einer Rückkehr des Themas gerechnet hatten.

Warum durchgängige Prozesse für Rathäuser zum Maßstab werden

Ein digitalisierter Einzelschritt hilft wenig, wenn der nächste wieder auf Papier läuft. Genau an dieser Bruchstelle setzen die Erwartungen der Stadtspitzen an, denn eine Vereinfachung des Ablaufs entsteht erst, wenn Antrag, Nachweis, Bescheid und Zahlung im selben Vorgang bleiben. Der Handel hat diese Denkweise früher durchlaufen und beschreibt sie als kanalübergreifende Prozesskette, wie eine Darstellung durchgängiger Kundenprozesse über mehrere Kanäle zeigt.

Für eine Stadtverwaltung liegt der Unterschied im Rechtsrahmen und in der Zuständigkeit. Ein Vorgang wandert zwischen Fachämtern, Landesbehörden und externen Stellen, und jede Schnittstelle ist eine mögliche Bruchstelle. Der Aufwand liegt deshalb selten in der Oberfläche, sondern in den Registern und Fachverfahren dahinter.

Das erklärt auch, warum die Rathausspitzen Unterstützung von außen einfordern. Bei der Frage, in welchen Bereichen die Rahmenbedingungen für Kommunen verbessert werden müssen, entfallen 49 Prozent der Nennungen auf digitale Vorhaben. Nur die Finanzen mit 85 Prozent, die Wirtschaft mit 60 Prozent, das Wohnen mit 54 Prozent und der Sozialbereich mit 50 Prozent liegen davor.

Welche Belastungen die Befragten als besonders groß bewerten

Die Umfrage legt den Befragten eine feste Liste krisenbedingter Herausforderungen vor.

Sieben Belastungen bewerteten die Rathausspitzen im Jahr 2026 als sehr groß oder groß:

  • Steigende Sozialausgaben nannten 91 Prozent der Befragten.
  • Den höheren Investitionsbedarf bei digitalen Vorhaben bestätigten 85 Prozent.
  • Demokratieskepsis und Rechtspopulismus erreichten 84 Prozent.
  • Die kommunale Wärmeplanung kam auf 82 Prozent.
  • Der Investitionsbedarf bei Klimaschutz und Klimaanpassung lag bei 80 Prozent.
  • Steuerausfälle und rückläufige Steuereinnahmen nannten 63 Prozent.
  • Die Unterbringung von Geflüchteten bewerteten 43 Prozent so, im Vorjahr waren es fast 60 Prozent.

Auffällig ist die Zusammensetzung beim digitalen Investitionsbedarf. 23 Prozent der Befragten bewerteten ihn als sehr groß, 62 Prozent als groß. Ein Thema, das fast niemand für unwichtig hält, aber nur ein knappes Viertel als dringlich einstuft, beschreibt eine Daueraufgabe und keinen Notfall.

Woran sich die Verwaltungsdigitalisierung in den nächsten Jahren messen lässt

Die Befragung liefert Wahrnehmungen, keine Umsetzungsstände. Sie misst, was Rathausspitzen für dringend halten, und nicht, wie viele Vorgänge tatsächlich ohne Medienbruch laufen. Für eine Einordnung des Fortschritts braucht es daher zusätzlich Daten aus den Fachverfahren selbst.

Zwei Größen bleiben bis zur nächsten Erhebung im Frühjahr 2027 zu beobachten. Die erste ist, ob der Anteil von 14 Prozent hält oder ob das Thema wieder hinter die Finanzlage zurückfällt. Die zweite ist der Anteil der Stadtspitzen, die bessere Rahmenbedingungen für digitale Vorhaben einfordern und derzeit bei 49 Prozent liegt.

„Ein Rathaus wird nicht digital, weil es ein Formular ins Netz stellt. Es wird digital, wenn der Vorgang dahinter ohne Papier auskommt und niemand mehr eine Zahl zweimal eintippt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Über die Provimedia GmbH

Die Provimedia GmbH ist ein Online-Verlag mit Sitz in der Region Stuttgart. Wir schaffen wertvolle Informationen in unterschiedlichen Branchen um Wissen schnell und einfach zugänglich zu machen. Wir haben uns auf übersichtliche Webseiten und Auffindbarkeit von Informationen spezialisiert.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Provimedia GmbH
Weidenweg 12
74321 Bietigheim-Bissingen
Telefon: +49 (7142) 3442727
Telefax: +49 (7142) 2279985
http://provimedia.de

Ansprechpartner:
Alexander Weipprecht
CEO
Telefon: +49 (7142) 3442727
E-Mail: info@provimedia.de
Für die oben stehende Story ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel