Nur eine Woche vor der Zukunft Personal Europe vom 15. bis 17. September in Köln richtete das Interview-Format „ZP Nachgefragt“ den Blick auf die Fragen hinter vielen Programmpunkten: Wie verändert KI tatsächlich Arbeit? Warum greifen Unternehmen in Krisen auf alte Führungsmuster zurück? Und welche Entwicklungen lassen sich auch durch kurzfristige wirtschaftliche Trends nicht ausblenden?

Ist KI überhaupt noch ein eigenes Thema?

Jule Jankowski: Eigentlich ist KI längst kein isoliertes Trendthema mehr. Sie steckt inzwischen in nahezu allen Diskussionen über Arbeit, Lernen, Recruiting oder Organisation. Gleichzeitig fällt auf, wie häufig „KI“ weiterhin in Programmtiteln auftaucht. Der Mensch dagegen erscheint oft nur noch als „Human in the Loop“.

Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Brauchen wir inzwischen immer den technischen Zusatz, damit menschliche Arbeit als relevantes Thema wahrgenommen wird?

Heike Riebe: Genau deshalb wollen wir auf der Zukunft Personal Europe unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Nicht jede wichtige Erkenntnis entsteht auf der großen Bühne. Sie kann genauso gut in einer kleineren Session, im Gespräch am Messestand oder in Formaten wie dem neuen ZP Impact Lab entstehen. Dort werden Thesen unserer ZP Think Tanks mit der Praxis konfrontiert und kritisch diskutiert.

Ersetzt KI bereits Arbeitsplätze?

Jankowski: Personalabbau und KI werden häufig noch getrennt voneinander behandelt. Dabei greifen beide Entwicklungen längst ineinander. Interessant wird es dort, wo Unternehmen konkret zeigen können, welche Aufgaben bereits automatisiert werden und welche Folgen das für Beschäftigung und Organisation hat.

Eine These des ZP Think Tank Innovation lautet: „KI wird das Mittelmaß killen.“ Vielleicht entsteht zunächst allerdings sogar mehr Mittelmaß – mehr standardisierte, ähnliche und austauschbare Ergebnisse. Umso wertvoller werden Urteilskraft, Eigenständigkeit und echter „Human Touch“.

Warum kehren alte Führungsmuster zurück?

Im vorab geführten Interview mit „Sohn@Sohn“ spricht Dr. Hans Rusinek von einer „Regression“ des Managements. Ausschnitte aus diesem Gespräch wurden in der Live-Sendung aufgegriffen und diskutiert. Unter Druck greifen Organisationen demnach häufig auf bekannte Rezepte zurück: stärkere Kontrolle, zentrale Entscheidungen, hohe individuelle Anreize oder Führung durch Angst.

Rusineks Bild dafür ist ein Puzzleteil, das nicht passt und trotzdem mit Gewalt in die Lücke gedrückt wird. Alte Lösungen vermitteln zwar kurzfristig Kontrolle, lösen aber neue Probleme nicht.

Jankowski sieht darin ein besonderes Risiko: Wer Mitarbeitenden in unsicheren Zeiten Handlungsspielräume entzieht, verstärkt ihr Ohnmachtsgefühl. Gerade in Krisen werde deshalb Selbstwirksamkeit wichtiger – nicht weniger.

Welche Themen lassen sich nicht einfach ausblenden?

Zwei Entwicklungen nennt Rusinek besonders deutlich: Demografie und Ökologie. In den kommenden Jahren geht ein erheblicher Teil der Erwerbsbevölkerung in Deutschland in den Ruhestand. Das betrifft Fachkräfteverfügbarkeit, Wissenstransfer, Personalplanung und Führung unabhängig von kurzfristigen Schwankungen am Arbeitsmarkt.

Ähnliches gilt für Nachhaltigkeit. Unternehmen können organisatorische Prioritäten verändern – ökologische Folgen wie Wasserknappheit, Lieferkettenprobleme oder steigende Transportkosten verschwinden dadurch nicht.

Was erwartet Besucher in Köln?

Die Zukunft Personal Europe versteht sich dabei zunehmend auch als strategischer Treffpunkt für Unternehmensleitungen. Mit der neuen Executive Lounge erhalten C-Level und Senior Leader einen eigenen Raum für Austausch und strategische Diskussionen.

Auf der Keynote Stage eröffnet Dr. Hans Rusinek gemeinsam mit Kerstin Winkelmann das neue Format „HR Diary“. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Themen die HR-Agenda 2027 bestimmen werden.

Für Heike Riebe ist die Messe vor allem ein Frühindikator: „Man muss nicht jede Entwicklung mitgehen. Aber man sieht, wohin die Branche denkt.“

Die Zukunft Personal Europe 2026 findet vom 15. bis 17. September in der Koelnmesse statt. Die Aufzeichnung der am 8. September 2026 live auf LinkedIn ausgestrahlten Ausgabe von „ZP Nachgefragt“ kann im YouTube-Kanal der Zukunft Personal angeschaut werden.

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