So spricht sich Dr. Klaus Wiener, MdB, Obmann im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und Mitglied im Finanzausschuss, dafür aus, dass die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) sachgerecht ausgestattet werden: „Die Forschungsvereinigungen leisten einen unverzichtbaren Beitrag dafür, dass aus guten Ideen konkrete Innovationen und damit neue Wertschöpfung in Deutschland entstehen. Mit ihrem branchenübergreifenden und technologieoffenen Netzwerk sind sie ein wichtiger Impulsgeber für die Innovationskraft unseres Wirtschaftsstandortes. Sie zeigen eindrucksvoll, wie erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft funktionieren kann: anwendungsnah, mittelstandsorientiert und mit einem klaren Blick auf die Zukunft.“ Vor diesem Hintergrund ist die derzeit vorgesehene Kürzung der Mittel für die Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) auf 165,3 Millionen Euro im Bundeshaushalt 2027 nicht nachvollziehbar; 2020 waren es noch 201 Millionen Euro. Darauf verwies auch Wiener in der Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag. Hier sprach er sich für Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren aus.
Angesichts der aktuellen Herausforderungen in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung, Netzumbau, KI und Digitalisierung stoßen die geplanten Einsparungen auf Unverständnis. „Ohne finanzielle und strukturelle Verlässlichkeit erodieren über Jahrzehnte aufgebaute Netzwerke und Forschungskapazitäten. Deutschland verliert damit ein bewährtes Instrument für produktivitätswirksame Innovation im Mittelstand. Wer hier kürzt, entzieht dem Mittelstand die Forschung, die Deutschland für die Transformation von Industrie und Wirtschaft braucht“, sagt Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der DVS Forschung. Deshalb fordern die Forschungsvereinigung für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz DVS Forschung, und die Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V., kurz FOSTA, eine Kurskorrektur und Rücknahme der vorgesehenen Budgetkürzung.
Die Industrielle Gemeinschaftsforschung gibt es seit mehr als 70 Jahren. Rund 100 Forschungsvereinigungen tragen dieses europaweit einzigartige, themenoffene Förderprogramm. Es verschafft kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die häufig keine eigene Forschungsabteilung unterhalten, Zugang zu vorwettbewerblicher und praxisnaher Forschung. Die Ergebnisse stehen Unternehmen branchenweit zur Verfügung.
Verkehrsinfrastruktur, Mobilität und Energie – Beispiele angewandter Forschung
Die Forschungsprojekte der DVS Forschung und der FOSTA liefern seit Jahrzehnten praxisnahe Lösungen für zentrale Zukunftsfragen der deutschen Industrie. Dazu zählen mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur beispielsweise Forschungen zu Schweißverbindungen für die Sanierung und den Neubau von Stahlbrücken. Um Energie- und Ressourceneffizienz geht es bei Forschungen zu hochfesten, ultraleichten Stahlstrukturen und neuen Füge- und Schweißverfahren für Mischbauweisen. Ein weiteres Forschungsfeld ist die Substitution schwer verfügbarer Rohstoffe durch alternative Werkstoffe und Verfahren. Damit werden Versorgungsrisiken reduziert und Wertschöpfungsketten resilienter.
Zweckgebundene Mittel aus dem Investitionsgesetz Kohleregion
Zwischenzeitlich zeichnet sich zwar ab, dass für 2027 zusätzliche Mittel in Höhe von 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Mittel dafür stammen aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG). Durch diese Maßnahme könnten im kommenden Jahr zusätzliche IGFProjekte finanziert werden – vorausgesetzt, sie haben einen Forschungsbezug zum Rheinischen Revier. DVS Forschung und FOSTA begrüßen diese zusätzliche Finanzierung ausdrücklich. Sie schaffe kurzfristig dringend benötigten Spielraum und ermöglicht es, weitere wichtige Forschungsvorhaben auf den Weg zu bringen. Jedoch bleibe die grundsätzliche Finanzierungssituation der Industriellen Gemeinschaftsforschung angespannt. Die zusätzlichen Mittel reichen nicht aus, um der hohen Nachfrage nach IGF-Forschung und der Vielzahl relevanter Forschungs- und Innovationsfragen aus dem Mittelstand gerecht zu werden. Auch weiterhin werden für die mittelständische Wirtschaft priorisierte, wichtige Vorhaben nicht in die Förderung gelangen können.
Appell an die Bundesregierung
DVS Forschung und FOSTA halten deshalb an der Forderung fest, die regulären Haushaltsmittel für die Industrielle Gemeinschaftsforschung nachhaltig zu erhöhen. Erforderlich ist nicht nur eine ausreichende Ausstattung für das Jahr 2027, sondern eine Verstetigung des Budgets auf einem bedarfsgerechten Niveau auch in den Folgejahren. Nur so können Planungssicherheit geschaffen, der entstandene Förderstau schrittweise abgebaut und neue Forschungsthemen aus dem Mittelstand kontinuierlich aufgegriffen werden.
Vor diesem Hintergrund appellieren DVS Forschung und FOSTA an die Bundesregierung und die Haushaltspolitiker im Deutschen Bundestag, die geplante Kürzung der IGF im Rahmen der weiteren Haushaltsberatungen zurückzunehmen und die Mittelstandsforschungsförderung zumindest auf dem Niveau von 2026 zu verstetigen. Ein Land, das technologische Souveränität, Dekarbonisierung und die Erneuerung seiner Infrastruktur zu zentralen politischen Zielen erklärt, darf ausgerechnet bei der angewandten Forschung für den Mittelstand nicht sparen. Die beiden Forschungsvereinigungen fordern zudem einen verlässlichen, mehrjährigen Finanzierungsrahmen für die IGF, um Planungssicherheit für Forschungsvereinigungen, Institute und die forschenden Unternehmen im Mittelstand zu schaffen. Zielführend wäre mittelfristig ein verstetigter Mittelaufwuchs auf mindestens 300 Millionen Euro. „Die Politik hat es jetzt in der Hand, ein über 70 Jahre gewachsenes Erfolgsmodell zu erhalten“, so Dipl.-Ing. Rainer Salomon, Geschäftsführer der FOSTA. „Wir stehen bereit, unsere Expertise einzubringen – und appellieren an die Verantwortlichen, den eingeschlagenen Weg der Kürzung nicht weiterzugehen.“
Zahlen und Fakten zur IGF
Forschung und Innovation sichern Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Wachstum. Seit 1954 ermöglichen die Forschungsvereinigungen im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu anwendungsnaher Forschung. Sie bündeln branchenweite Bedarfe, verbinden Unternehmen und Wissenschaft, koordinieren Projekte und sorgen dafür, dass Ergebnisse allen Marktteilnehmern offenstehen.
• IGF-Fördervolumen 2026: 178,5 Mio. Euro – geplant für 2027: 165,3 Mio. Euro. Gegenüber 2020 entspricht das einem Rückgang um rund ein Sechstel.
• Rund 100 rechtlich selbstständige, gemeinnützige Forschungsvereinigungen organisieren sich in dem Förderprogramm IGF branchenübergreifend – DVS Forschung und FOSTA gehören zu den größten von ihnen.
• Allein die DVS Forschung realisiert 2026 ein Projektvolumen von über 12,5 Mio. Euro und betreut mehr als 110 Forschungsprojekte parallel – finanziert über die IGF und getragen von Konsortien, in denen jeweils mindestens drei mittelständische Unternehmen die Praxisrelevanz sichern.
• Der Verband AIF – Allianz für Industrie und Forschung e. V. beziffert den tatsächlichen Bedarf der BMWE-Forschungsförderprogramme auf rund eine Milliarde Euro jährlich, davon allein 300 Mio. Euro für die IGF.
• Auch die Schwesterprogramme sind betroffen: Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) samt Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) soll von 558 auf 539 Mio. Euro sinken, INNO-KOM von 71,5 auf 65 Mio. Euro.
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Über die FOSTA
Die Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V., kurz FOSTA, fördert Forschung für die Be- und Verarbeitung von Stahl in allen Bereichen durch die Förderung innovativer Forschungsideen und projekte. Besonders der Einsatz und die Anwendung der unterschiedlichen Stahlwerkstoffe durch kleine und mittlere Unternehmen ist im Fokus der geförderten Projekte. www.stahlforschung.de
Die Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. im DVS, kurz DVS Forschung, ist die fügetechnische Gemeinschaft für Innovationen und Transfer im Mittelstand. Ihre Aufgabe als gemeinnütziger Verein ist es, Prozesstechnik, Werkstoffverhalten und -eigenschaften, Anwendungen, Digitalisierung und Equipment für die Füge-, Trenn- und Beschichtungstechnik zu erforschen und zu verbessern. www.dvs-forschung.de
DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V.
Aachener Straße 172
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