Wo eine Fachkraft nach Jahrzehnten den Betrieb verlässt, geht mehr als eine Stelle verloren. Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat ihren Statistikband Rente 2025 im Juli 2026 vorgelegt; er trägt die Bandnummer 236 und wertet alle Rentenzugänge des Jahres 2025 aus. Laut dieser Statistik begannen im Jahr 2025 genau 925.865 Renten wegen Alters. Das durchschnittliche Alter bei Rentenbeginn lag bei 64,68 Jahren, und mit jedem Austritt geht Erfahrungswissen im Betrieb verloren, das nur teilweise dokumentiert ist. Welche Formen dieses Wissen annimmt, ordnet eine Typologie der Wissensarten im Betrieb ein.

Wo der Austritt terminiert ist, lässt sich die Übergabe planen

Der Zeitpunkt des Ausscheidens ist in den meisten Fällen lange vorher bekannt. Die Rentenart bestimmt, wie früh jemand gehen kann und wie viel Vorlauf ein Betrieb hat. Genau darin liegt der Unterschied zu einer Kündigung, die kurzfristig kommt und keine Übergabezeit lässt.

Vier Rentenarten trugen den Zugang des Jahres 2025 nahezu vollständig. Die Deutsche Rentenversicherung Bund weist für jede von ihnen eine eigene Fallzahl und ein eigenes Durchschnittsalter aus:

  • Regelaltersrenten: 356.388 Zugänge bei einem Durchschnittsalter von 66,26 Jahren
  • Altersrenten für besonders langjährig Versicherte: 262.361 Zugänge, Durchschnittsalter 64,13 Jahre
  • Altersrenten für langjährig Versicherte: 238.028 Zugänge, Durchschnittsalter 63,43 Jahre
  • Altersrenten für schwerbehinderte Menschen: 68.999 Zugänge, Durchschnittsalter 62,92 Jahre

Der Abstand zwischen der frühesten und der spätesten dieser vier Gruppen beträgt gut drei Jahre. Für die Personalplanung ist das der Korridor, in dem eine Nachbesetzung und eine gemeinsame Einarbeitungszeit überhaupt möglich sind.

Zwei Jahrgänge tragen den größten Teil der Austritte

Die Verteilung nach Einzelaltern fällt schmaler aus, als der Mittelwert vermuten lässt. Laut dem Statistikband Rente 2025 begannen 333.595 Altersrenten im Alter von 66 Jahren und 288.532 im Alter von 64 Jahren. Ein Alter von 63 Jahren folgt mit 185.922 Zugängen.

Die Ballung auf wenige Jahrgänge hat eine praktische Folge. In einem Betrieb, dessen Belegschaft altersmäßig ähnlich zusammengesetzt ist wie die Erwerbsbevölkerung insgesamt, treten Austritte nicht gleichmäßig verteilt auf, sondern in Wellen. Wer Erfahrungswissen erst dann sichert, wenn die Kündigung des Arbeitsverhältnisses auf dem Tisch liegt, sichert es für mehrere Personen gleichzeitig – und damit meistens gar nicht. Was ein systematisches Vorgehen dabei leistet und wo es an Grenzen stößt, wiegt eine Gegenüberstellung von Nutzen und Grenzen des Wissensmanagements ab.

„Der Kalender liefert die Vorwarnung frei Haus. Ein Austrittsdatum steht meist Jahre vorher fest, und trotzdem beginnt die Übergabe in vielen Betrieben erst in der letzten Arbeitswoche“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Bei einer Betriebsübergabe steht dasselbe Problem eine Etage höher

Der Austritt einer Fachkraft ist der eine Fall, der Rückzug der Inhaberin oder des Inhabers der andere. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn hat im November 2025 unter dem Titel „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030“ eine Schätzung vorgelegt. Nach dieser Rechnung stehen im Zeitraum 2026 bis 2030 rund 186.000 Unternehmen zur Übergabe an.

Wer übernimmt, entscheidet mit darüber, wie viel Wissen im Betrieb bleibt. Laut der metaanalytischen Auswertung des Instituts, die Studien aus 40 Jahren zusammenfasst, ging gut die Hälfte der Familienunternehmen an Angehörige, etwa 17 Prozent an Beschäftigte und die übrigen 29 Prozent an Externe. Familieninterne Nachfolgen haben in den Untersuchungen der vergangenen 15 Jahre leicht an Bedeutung verloren.

Dokumentiert wird selten das, was den Unterschied macht

Handbücher und Prozessbeschreibungen decken den Teil ab, der sich ohnehin aufschreiben lässt. Der schwer greifbare Rest steckt in Entscheidungen, die eine erfahrene Person trifft, ohne die Regel dahinter je formuliert zu haben. Dazu zählt, welcher Lieferant bei Engpässen wirklich liefert, welches Bauteil bei welchem Geräusch klemmt und welcher Kunde eine Rückfrage erwartet.

Ein Betrieb merkt den Verlust deshalb erst nach dem Austritt, oft an einer Kleinigkeit. Die Rentenstatistik nennt dafür keine Zahl – sie zählt Rentenzugänge, nicht das Erfahrungswissen im Betrieb. Der Zeitpunkt aber ist ihr zu entnehmen, und das reicht für eine Planung aus.

Die nächsten Zugangszahlen liegen erst im Jahr 2027 vor

Die Datenlage bleibt bis dahin unverändert. Die Deutsche Rentenversicherung Bund veröffentlicht ihre Bände jährlich, sodass die Zugangszahlen für das Jahr 2026 im Verlauf des Jahres 2027 vorliegen werden. Bis dahin ist der Stand vom Juli 2026 die aktuellste amtliche Angabe zum Rentenzugang.

Für einen Betrieb im Herbst 2026 ändert das wenig an der Aufgabe. Wer weiß, dass eine Kollegin in 18 Monaten mit 64 Jahren geht, hat 18 Monate Zeit, ihr Erfahrungswissen an eine zweite Person zu binden – und nicht die vier Wochen, die eine Resturlaubsplanung übriglässt.

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