Mutige Innovationen – Lamprecht nannte exemplarisch E-Mobilität und grüne Energie – verdienten Unterstützung. „Die soziale Marktwirtschaft kann hier ihre Stärken ausspielen, wenn man sie denn lässt. Ich warne davor: Wenn wir nicht fortschrittlich vorangehen, tun’s andere“, so der Repräsentant von 20.800 Handwerksbetrieben in der Region.
Das 500-Milliarden-Euro-Investitionspaket der Bundesregierung muss nach Lamprechts Worten wirksam umgesetzt werden. „Die kleinen und mittelständischen Unternehmer sowie ihre Arbeitnehmer wollen sehen, dass diese Gelder auch endlich wie versprochen sinnvoll investiert werden – und nicht genutzt werden, um kurzfristig Löcher im Haushalt zu stopfen.“
Das Handwerk sei innovativ und wolle sich bietende Chancen nutzen. „Flexibilität ist eine der großen Stärken des Handwerks. Aber wir brauchen die Rahmenbedingungen dazu“, so Lamprecht.
Lamprecht mahnte „echte Fortschritte“ für Bauwesen, Bildung und Infrastruktur an. Dringend sei „eine generationengerechte und zukunftsfeste Finanzierung der Sozialversicherungssysteme“.
Regelmäßig sich ändernde Rechtslagen seien eine Zumutung. Die Bürokratie hemme die Handwerksbetriebe. Darüber könnten erste Schritte zum Bürokratieabbau nicht hinwegtäuschen. Lamprecht: „Wir wollen unsere Arbeit machen und nicht nach der Arbeit noch Stunden mit ärgerlichem, weil meist überflüssigem Schreibkram im Büro verbringen. Eine eigene Rechts- oder Verwaltungsabteilung, die solche Aufgaben übernimmt, haben nämlich die wenigsten Handwerksbetriebe.“
Lamprecht ging in seiner Rede auch auf den Forderungskatalog „26 für 26“ ein, den die Dachorganisation Handwerk BW für die anstehende Landtagswahl erarbeitet hat. So forderte auch Lamprecht Azubiwohnheime, eine angemessene Förderung der beruflichen Bildungszentren und eine kostenfreie Meisterausbildung.
Die zuletzt gestiegene Zahl der neuen Auszubildenden im regionalen Handwerk sei erfreulich, dennoch bleibe der Fachkräftebedarf hoch. Handwerkerinnen und Handwerker sehen laut Lamprecht am Ende des Tages, was sie geschafft haben. Die Aufstiegs- und Spezialisierungschancen sind nach seinen Worten ebenso ausgeprägt wie in akademischen Berufen. „Das muss aber bei den Leuten ankommen. Das Handwerk verdient ein besseres Ansehen“, so der Präsident vor den zahlreich erschienenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Justiz.
Lamprecht reklamierte zudem einen fairen Wettbewerb. „Kommunen und ihre Tochtergesellschaften dürfen nicht zur Konkurrenz für die Privatwirtschaft werden.“ Der entsprechende Paragraf 102 der Gemeindeordnung müsse daher wieder eingehalten werden.
Impulse, wie eine erfolgreiche Nachwuchsgewinnung möglich ist, gab beim Neujahresempfang Festredner Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung von dm drogerie-markt.
Werner riss viele Aspekte an: Wichtig sei eine positive Unternehmenskultur, besonders in schwierigen Situationen. Die Maxime „einer weiß, alle machen“ sei nicht zielführend. Stattdessen habe sich „Führen durch fragen“ bei dm bewährt. Neben allen Routinetätigkeiten solle ein Unternehmen auch Freiräume bieten, um Kreativität zu fördern.
Kreativität habe einen hohen Stellenwert: Der dm-Nachwuchs muss während seiner Ausbildung verpflichtend an Theaterworkshops (genannt: „Abenteuer Kultur“) teilnehmen. Die jungen Menschen gingen danach „mit unglaublich gestärktem Selbstbewusstsein“ an die Arbeit. Das Selbstvertrauen stärke zudem, dass die jungen Menschen für eine gewisse Zeit einen dm-Markt führen und so in die Chef-Rolle mit all ihren Herausforderungen schlüpfen.
Für seinen beruflichen Werdegang sei es sehr hilfreich gewesen, dass er vor dm bei mehreren anderen Unternehmen tätig war. „Man lernt wirklich was, wenn man nicht nur im eigenen Saft geschmort hat.“ Den Handwerksunternehmern riet er zudem, beim gemeinsamen Abendessen mit der Familie nicht ausschließlich über Sorgen und Probleme im Unternehmen zu sprechen. Das schrecke den Nachwuchs ab. Er habe von seinem Vater schon als Kind vermittelt bekommen, dass Unternehmertum auch Abenteuer und Gestaltungsmöglichkeiten biete.
„Es sind die Zukunftsängste, die wir als Erwachsene auch schüren“, sagte Werner. Da brauche man sich nicht wundern, wenn junge Menschen keine Lust auf Zukunft haben. Falsch sei es, über die Jugend zu lamentieren. Werner (53) mit einem Rückblick in seine Jugend: „Wir wurden auch schon immer als die letzte Generation bezeichnet.“
Der Karlsruher Konzern ist Deutschlands umsatzstärkster Drogeriemarkt. In Europa beschäftigt dm rund 93.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im jüngsten Geschäftsjahr 19,197 Milliarden Euro erlösten.
Der Neujahrsempfang der Handwerkskammer Karlsruhe ist jährlich auch ein gesellschaftlicher Glanzpunkt. Musikalische Akzente setzte dort das Duo „Saitensprung“ der Popakademie Baden-Württemberg.
Die Handwerkskammer Karlsruhe ist Partnerin von 20.800 Betrieben mit rund 115.000 Beschäftigten. Die Betriebe erzielen einen Jahresumsatz von 18,2 Milliarden Euro. Zum Kammerbezirk gehören die Stadt Karlsruhe und der Landkreis Karlsruhe, die Stadt Pforzheim und der Enzkreis, der Landkreis Calw sowie die Stadt Baden-Baden und der Landkreis Rastatt.
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