Diesjähriger Energieeffizienzpreis geht an Hofmann & Vratny, die EnergieDienstleis-tungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe sowie die Schwesterunternehmen Overath SLM und EPP. Der Gewinner des Publikumspreises ist ein gemeinsames Projekt von Vonovia und Ampeers Energy.

Zum vierzehnten Mal in Folge hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) den Energy Efficiency Award für innovative Energieeffizienzprojekte privater und öffentlicher Unternehmen verliehen. Die Preise in vier Kategorien wurden im Rahmen des dena Energiewende-Kongresses vergeben, der dieses Jahr zum ersten Mal und coronabedingt digital stattfand. Schirmherr der mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Auszeichnung ist Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie.


Die Preisträger, die von einer Jury mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien ausgewählt wurden, sind:

  • in der Kategorie „Von clever bis digital! Die Bandbreite der Energieeffizienz“ der bayrische Werkzeughersteller Hofmann & Vratny für die fossilfreie Beheizung und Kühlung von Gebäuden und Produktion. Die durch die Maßnahmen erreichte Energieeinsparung am Standort Aßling liegt bei sechs Prozent.
  • in der Kategorie „Gemeinsam mehr erreichen! Energiedienstleistungen als Enabler der Energiewende“ die EnergieDienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe aus Nieder-Olm in Rheinland-Pfalz. Durch die effiziente Kombination von Blockheizkraftwerk und Biomasse bei der Wärme- und Stromversorgung des Schulzentrums Nieder-Olm wurde eine CO2-Reduktion von 60 Prozent erreicht.
  • in der Kategorie „Think big! Komplexe Energieeffizienzprojekte“ der Werkzeughersteller Overath SLM aus Lohmar in Nordrhein-Westfalen und sein Schwesterunternehmen Overath EPP aus Oebisfelde in Sachsen-Anhalt, Hersteller von Formschaum-Erzeugnissen. Ihnen ist durch die Fertigung von Werkzeugen im 3D-Druck-Verfahren ein Innovationssprung gelungen. Die erreichte Energieeinsparung beträgt 86 Prozent bei der Werkzeugherstellung, 79 Prozent bei der anschließenden Anwendung.

Der Publikumspreis, der durch einen virtuellen Live-Pitch von den Online-Gästen der Preisverleihung ausgewählt wurde, ging an ein Projekt von Vonovia und Ampeers Energy.

„Der Energy Efficiency Award zeichnet Unternehmer aus, die sich mit überzeugenden Ideen und Entschlossenheit der klimapolitischen Herausforderung annehmen. Mit ihren Lösungen arbeiten sie täglich an einer emissionsarmen Zukunft und treiben die Integrierte Energiewende voran. Das zeigt anderen Akteuren Möglichkeiten auf und inspiriert zur Nachahmung“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, anlässlich der Preisverleihung.

Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), ergänzt: „Die Preisträger des Energy Efficiency Awards beweisen die auch durch Corona ungebrochene Innovationskraft der Unternehmen und ihr Potenzial, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Indem sie in energieeffiziente Technologien investieren, profitieren sie langfristig auch wirtschaftlich und stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 142 Energieeffizienzprojekte aus dem In- und Ausland für den Energy Efficiency Award beworben. Damit konnte der Rekord aus dem vergangenen Jahr gehalten werden. Die Auszeichnung wird vom BMWi gefördert und durch den Premiumpartner KfW unterstützt.

Alle Informationen zum Wettbewerb unter www.EnergyEfficiencyAward.de. Weitere Informationen zum dena Energiewende-Kongress unter www.dena-kongress.de.

Mehr zu den Gewinnern des Energy Efficiency Award

Hofmann & Vratny OHG:

Im Rahmen einer Energieberatung wurde ein Konzept entwickelt, das energieeffiziente und umweltfreundliche Methoden zum Beheizen und Kühlen kombiniert, so dass das Unternehmen ohne Heizungskessel und fossile Brennstoffe auskommt. Um das zu ermöglichen, wurde eine durchgängige Gebäudedämmung installiert und die vier Werke des Unternehmens über Wärmeleitungen verbunden, damit Wärme und Kälte übertragen werden können. Gleichzeitig stellte das Unternehmen die Beheizung auf Niedertemperatur um. Dies ermöglichte zusätzlich die Nutzung von Abwärme. Für eine präzise Herstellung der Werkzeuge ist eine gleichbleibende Umgebungstemperatur von 25 °C notwendig. Die dafür erforderliche Belüftung wurde mittels Kreuzstrom-Wärmetauscher energieeffizient umgesetzt. An sehr warmen Tagen im Sommer wird die Kälteerzeugung durch einen Flächen-Erdkollektor unterstützt. Alle Aufenthalts-, Büro- und Sanitärräume werden in der Heizperiode durch die Abwärme des Druckluftkompressors und die zur Kühlung eingesetzte Absorptionskältemaschine beheizt. Überschüssige Wärme wird in einem Pufferspeicher gelagert und in der Nacht und bei höherem Bedarf genutzt. Bei kalten Außentemperaturen wird durch die Nutzung des Prinzips der freien Kühlung die Kälte für alle Werke besonders energieeffizient bereitgestellt. Überschüssig gewonnene Kälteenergie wird in einem Kältespeicher gelagert.

Zur optimalen Energieausnutzung wurde eine Steuerung eingebaut, die die Betriebsweise alle Energiespeicher und -verbraucher aufeinander abstimmt.

EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG):

Die EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG) hat die Wärme- und Stromversorgung des Schulzentrums Nieder-Olm optimiert und dadurch eine hohe Einsparung bei Energieverbrauch und Kosten erzielt. Das Projekt wurde von dem Contractor gemeinsam mit dem Landkreis Mainz-Bingen und seinem Klimaschutzmanager umgesetzt.

Das technische Konzept der EDG umfasste folgende energie- und kostensenkende Maßnahmen: Das Nahwärmenetz wurde neu auf Niedertemperaturen ausgelegt. Um dies zu erreichen, sind alle Verbraucher durch Effizienzmaßnahmen insbesondere an Lüftungs- und Warmwasserbereitungsanlagen hydraulisch und regelungstechnisch optimiert worden, so dass die Rücklauftemperatur begrenzt wird. So wurden etwa die Einspritzschaltungen an Lüftungsanlagen in Mischkreisregelungen umgebaut und alle Heizkreise mit Hocheffizienzpumpen ausgestattet.

Rund 60 Prozent der Wärme wird in einem Biomassekessel über Holzhackschnitzel erneuerbar bereitgestellt, ergänzt durch ein hocheffizientes Erdgas-BHKW mit nachgeschaltetem Brennwert-Wärmetauscher. Zwei große Pufferspeicher sorgen über das Energiemanagementsystem der EDG für eine Entkopplung von Wärmeerzeugung und -bedarf. Außerdem gewährleisten die Speicher eine optimierte Fahrweise von Blockheizkraftwerk und Biomassekessel. Parallel zum Wärmenetz hat die EDG ein eigenes Niederspannungsnetz auf dem Schulgelände aufgebaut. Auf diese Weise kann der eigenerzeugte KWK-Strom direkt zur Versorgung der Gebäude genutzt werden.

Overath SLM und Overath EPP:

Die Overath SLM GmbH entwickelt und fertigt Werkzeuge für die Serienproduktion von Formteilen in der Partikelschaumindustrie. Ihr Schwesterunternehmen, die Overath EPP GmbH, produziert u.a. Einbauteile für die Automobilindustrie aus expandiertem Polypropylen und setzt diese Werkzeuge bei der Verarbeitung ein.

Die zentrale Idee des Projekts besteht im Einsatz einer innovativen 3D-Drucktechnik auf Basis des selektiven Laserschmelzens (Selective Laser Melting / SLM). Durch dieses von Overath SLM eingesetzte Verfahren kann Material eingespart und das Gewicht der Werkzeuge reduziert werden. Außerdem wird Edelstahl anstelle von energieintensiv hergestelltem Aluminium eingesetzt. So kann bereits in der Vorkette eine hohe Energie- und CO2-Einsparung erreicht werden.

Neben der Energie- und Materialeinsparung bei der Herstellung der Werkzeuge entstehen insbesondere bei deren Einsatz zur Produktion von Partikelschaumstoffen erhebliche Vorteile gegenüber konventionellen Technologien. Die 3D-Drucktechnik führt zu einer erheblichen Reduzierung des Energieeinsatzes um bis zu 80 Prozent sowie zur Senkung des Kühlwasserverbrauchs.

Vonovia SE, Ampeers Energy GmbH:

Im bereits gebauten Quartier Bochum-Weitmar errichten Vonovia SE und Ampeers Energy im Jahr 2020 eine „Energiezentrale der Zukunft“. Die Energiezentrale soll dabei sehr innovative Technologien umfassen: Wasserstofferzeugung, Brennstoffzellen und Speichertechnologien. Ziele der Technologieauswahl sind reduzierte Umwandlungsverluste, geringe Systemkomplexität und ein hoher Autarkiegrad des Quartiers. Versorgt werden sollen Bestandsgebäude aus den Jahren 1959/1976, die nach KfW 100 gedämmt werden. Auf den Dächern sollen PV-Anlagen installiert werden. Der lokal erzeugte Strom soll möglichst vollständig im Quartier verbraucht werden. Elektrofahrzeuge können über Ladestationen mit Strom versorgt werden. Dezentral erzeugter Ökostrom, der nicht sofort zur Strom- und Wärmeversorgung der Bewohner genutzt werden kann, wird durch einen Elektrolyseur in Wasserstoff gewandelt, gespeichert und kann durch eine Brennstoffzelle wieder in Strom und Wärme zurückgewandelt werden. Der Forschungscharakter ermöglicht es, verschiedene Anlagenkombinationen sowie unterschiedliche Betriebsführungsstrategien im realen Einsatzgebiet eines städtischen Quartiers zu erproben. Von Interesse sind insbesondere die Praxistauglichkeit und die Skalierbarkeit dieser Ansätze.

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