Die derzeitige Debatte über den Diesel ist von Wahlkampfgetöse und kleinteiligem Aktionismus geprägt. Dabei böte sich jetzt die Chance, einmal ernsthaft und grundsätzlich über Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz zu sprechen. Die technischen Innovationen stünden zur Verfügung. Was fehle, seien realistische Grenzwerte und ein Konzept aus einem Guss, sagt Michael Zondler, Geschäftsführer des Stuttgarter Beratungsunternehmens CENTOMO http://www.centomo.de.

„Das Diesel-Gipfelchen in Berlin war eine einzige Enttäuschung. Dies war aber auch nicht anders zu erwarten. Vor der Bundestagswahl am 24. September dieses Jahres wird es wahrscheinlich auch keine substanziellen Erfolge geben. Ich hoffe, dass sich die Autoindustrie und die Politik einmal ernsthaft zusammensetzen, wenn das Wahlkampfgetöse vorbei ist. Die Autoindustrie ist eine Schlüsselindustrie in Deutschland. Sie hat in der Vergangenheit schwere Fehler gemacht. Aber es würde uns überhaupt nicht helfen, wenn man sie aus einem typischen deutschen Furor der Maßlosigkeit heraus nun zerstören würde. Dies dient vielleicht der ausländischen Autoindustrie, aber sicher nicht der Umwelt“, so Zondler.

Jetzt räche sich, so der CENTOMO-Chef, dass sich der Bundesverkehrsminister in den letzten Jahren nur mit der Maut beschäftigt habe. „Aus Personalersicht kann man sagen, dass Herr Dobrindt eine absolute Fehlbesetzung war, wenn es darum geht, die Mobilität in unserem Land voranzubringen. Er hatte einzig und allein den Auftrag des bayerischen Ministerpräsidenten, dessen Lieblingsthema Pkw-Maut rechtssicher zu machen. Zudem traut sich keine Partei so richtig daran, die heilige Kuh der wesentlich niedrigeren Steuer auf Diesel zu schlachten. Jetzt ist der größtmögliche Gau eingetreten: Der Staat hat eine Technologie steuerlich subventioniert, der er nun vielleicht mit Fahrverboten zu Leibe rücken muss. Dies versteht keiner und verunsichert die Kunden“, sagt Zondler.


Software-Updates verhindern keine Fahrverbote

„Deutsche Ingenieurskunst hat immer noch einen hervorragenden Ruf. Bei allen Fehlleistungen der deutschen Autoindustrie: Nicht wenige Experten und vor allem Kunden sind der Meinung, dass Deutschland die besten Autos der Welt baut. Mit Software-Updates allein ist es nicht getan. Wenn Fahrverbote vermieden werden sollen, dann müssten alle Diesel mit der Euro-Norm 4 und 5 in die Werkstätten zur Hardware-Nachrüstung. Dies müsste verbindlich per Nachweis der Werkstätten geregelt werden“, so Thomas von Löwis of Menar, Teamchef des Autorennstalls Four Motors http://www.fourmotors.com. Die umweltfreundlichen Rennautos von Four Motors werden unter anderem vom bekannten Rapper und Showstar Smudo gesteuert.

„Es ist ziemlich verlogen, nun nur die Autoindustrie an den Pranger zu stellen“, so der frühere DTM Pilot. „Selbstverständlich müssen die Autobauer ihre Hausaufgaben machen. Benzin- und Dieselfahrzeuge sind letztlich Auslaufmodelle. Der Verbrennungsmotor hat keine Zukunft. Aber ein Diesel der Euro-Norm 6 ist immer noch eine wichtige Brückentechnologie, auf die wir nicht von heute auf morgen verzichten können. Bei der Diskussion um den CO2- und NoX-Ausstoß dürfen wir aber nicht die emittierende Industrie und vor allem auch nicht die boomende Schifffahrt außer Acht lassen. Während in Autos Partikelfilter Vorschrift sind, dürfen die dicken Ozeanriesen immer noch den ganzen Dreck ungefiltert in die Luft blasen. Wir dürfen uns hier nicht länger hinter den nicht vorhandenen Umweltstandards von Kleinstaaten wie Liberia und  Panama verstecken, die bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO den Ton angeben.“

Ozeanriesen sorgen für dicke Luft

Nach Berechnungen des Automobilexperten Helmut Becker http://www.n-tv.de/wirtschaft/Der-Skandal-beim-Klimaschutz-article18932511.html stoßen die 15 größten Seeschiffe der Welt jährlich mehr schädliche Schwefeldioxide aus als die ganze Pkw-Flotte der Erde. Laut Naturschutzbund (Nabu) schaffe kein einziges der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe die Abgasnorm, die für Autos oder Lastwagen schon lange gelten, so Becker. Ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt stoße so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke.

„Klimaschutz bleibt eine Daueraufgabe. Mit einem Diesel-Gipfelchen in Berlin, bloßen Absichtserklärungen und einer reinen Fokussierung auf die Autoindustrie wird man dieser Aufgabe nicht gerecht. Das Thema ist allerdings viel zu komplex für das öde parteipolitische Schaulaufen, das uns zurzeit die Umwelt- und Verkehrsminister liefern“, so Zondler.

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